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Mein Anschreiben

Das Anschreiben war früher das Entrée zu einer Bewerbung. In Zeiten von Internet-bewerbungen und Webportalen hat der Stellenwert des Anschreibens deutlich gelitten. Entscheidet heutzutage oft der Lebenslauf darüber, ob die Unterlagen überhaupt weitergeleitet oder einer genaueren Überprüfung unterzogen werden, so war es früher das Anschreiben, dem diese Funktion zukam.
Ergo gehen viele Bewerber mit dem Anschreiben entsprechend unvorsichtiger bzw. schlampiger um.
Sei es:
die Anschrift – die Adresse, denjenigen (Firma, Name, Abteilung, Straße, PLZ und Ort), an den sich die Bewerbung richtet –,
das Datum – wann habe ich den Brief geschrieben -,
der Betreff – was ist das Thema meines Anschreiben-,
die Anrede – Name des Empfänger-,
die Stelle – auf die ich mich bewerbe,
oder der Inhalt.

Fehler bei copy&paste

 Alles halb so wichtig, denken einige und machen Fehler bei copy&paste. Da gibt es neben der falschen Firma oder falschen Anschrift (ist ja nicht so schlimm, geht ja nicht per Post, sondern per Email raus) nahezu alle Möglichkeiten, etwas aus einer vorhergehenden Bewerbung drin stehen zu lassen und nicht zu ändern. Der sorgfältige Leser – nach dem Lebenslauf wird dann doch das Anschreiben gelesen – stellt schnell fest, dass es hier von Fehlern wimmelt. Hinzu kommen Rechtschreib- oder Grammatikfehler (andere Fehler finden kann ich gut, nur meine eigenen übersehe ich) und stilistisch gewagte Interpretationen deutscher Sprache sowie Endlossätze (dieser ist zum Bsp. einer) oder ermüdende Aufzählungen (ebenso dies ein gutes ‚schlechtes‘ Beispiel).
Geben Sie sich bitte mehr Mühe. Lassen Sie eine dritte Person über Ihr Anschreiben schauen. Verwenden Sie nicht immer die gleichen ‚Original‘- Anschreiben. Vermeiden Sie Floskeln und ersetzen Sie das „aber“ durch das „und“*.

* Exkurs „aber/und“

Ersetzen Sie, nicht nur im Schriftlichen, alle „aber“ durch „und“. Ein „aber“ deutet auf einen Konflikt hin und liefert Ihnen einen Grund für eine Ausrede. „Ich bin Teamplayer aber auch eigenständig.“ im Gegensatz zu „Ich bin Teamplayer und eigenständig.“ Zudem bewegen Sie beim gesprochenen „und“ Ihr Gehirn dazu, Wege zu finden, wie Sie beide Aussagen miteinander verknüpfen können. „Ich würde gerne meine Kollegen bezüglich der Projektstände sprechen, aber ich habe Mittagspause.“ im Vergleich zu „Ich würde gerne meine Kollegen sprechen und habe jetzt Mittagspause.“

Betreff

 Nach korrekter Anschrift, Betreffzeile, Datum und Anrede, die mit „Sehr geehrte(r)…..“ beginnt und nicht mit „Hallo, Hi, etc.“ folgt ein Abschnitt, in dem Sie auf die gesuchte Stelle und das Unternehmen eingehen. Ich nenne das die ‚Abholphase‘.
Haben Sie den Bewerbungsleser abgeholt, kommen Sie gleich zur Sache und berichten in 1-2 Absätzen etwas über sich. Ihre Stärken und Schwächen, Ihren Werdegang und Ihr Ziel. Ziel ist immer, den Job bei DEM Unternehmen, bei dem ich mich gerade bewerbe, zu bekommen. Na gut, zumindest die Einladung zum Bewerbungsgespräch.
Wenn ich hier schon zwischen den Zeilen schreibe, dass ich eigentlich zu faul bin, mich woanders zu bewerben und bei dem Betrieb nur anfangen will, um nicht auf der Straße zu stehen, wo es doch auch bessere Arbeitgeber gibt – na dann lasse ich das mal besser mit der weiteren Zeitverschwendung, eine neue unnötige Bewerbung zu versenden.

Der erste Eindruck

Harte Worte? – Keineswegs. – Erfahrung aus unzähligen Bewerbungen, die besser nicht verfasst oder so nicht versendet worden wären. Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck! (Das werde ich zum Thema Bewerbungsgespräch noch weiter ausführen.)
Wir nähern uns dem Ziel. (Dort, wo wir mal ursprünglich beim Start der Bewerbung hin wollten.) Halten Sie sich bitte immer das Ziel Ihrer Bewerbung vor Augen und stellen Sie sich dabei vor, Sie lesen Ihre eigenen Zeilen als Bewerbungsempfänger. Ihr Anschreiben muss den Leser dazu veranlassen, etwas Bestimmtes zu tun. Nämlich Sie zu einem Gespräch einzuladen. Fordern Sie ihn dazu bitte am Ende Ihres Schreibens höflich auf. Der Konjunktiv (würde, hätte etc.) ist seit vielen Jahren verpönt, und einige Bewerbungsratgeber verurteilen ihn zur ewigen Verbannung aus dem Anschreiben. Ich sehe ihn nach wie vor als Höflichkeitsfloskel „Ich würde mich sehr über ein Gespräch in Ihrem Haus freuen.“ Letztendlich Geschmackssache, die aus meiner Sicht nicht über Einladung vs. Nichteinladung entscheidet.

Anlagen

Die Anlagen schreibt man heute nicht mehr drunter, die Unterschrift sollte nicht fehlen.
Generell sind alle Schreiben, die Sie schreiben, in derselben Schriftart mit den gleichen Randeinstellungen etc. zu verfassen. Bitte hier nicht wild alle Fonts Ihres Textprogramms ausprobieren. Weniger (nur EINE Schriftart) ist hier deutlich mehr.
Noch Fragen zum Anschreiben? Immer her damit! Weitere Fragen beantworte ich gerne auf Zuschrift und nehme diese gegebenenfalls auch anonymisiert hier auf. Ihre Fragen können Sie mir per Email an christof.wirtz@abcgroup.de senden. Alle Daten werden vertraulich behandelt. Bis nächste Woche, wenn es um Dokumente und deren Reihenfolge geht.
Alle bisher veröffentlichen Beiträge finden Sie hier: www.bewerber-abc.de
Unser neues Stellenportal ist zur Zeit in Arbeit. Einen ersten Eindruck, mit echten Stellen, finden Sie unter dem Link.

3 Gedanken zu „Mein Anschreiben

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