Christof Wirtz Niederlassungsleiter

Die Auswahl von Branchen, Unternehmen und Stellen

Wie finde ich eine passende Stelle für mich?
In „Mein Profil“ habe ich vor 5 Wochen beschrieben, was zu tun ist, damit ich mir klar werde, wer ich bin und was ich will.
1. Wo – Welche Region
2. Was – Fachkraft, Führung, Technologie, Branche
3. Wie viel – Was möchte ich verdienen
4. Wie oft – muss ich verreisen
5. Wie weit – muss ich morgens fahren
6. Wie groß – soll das Unternehmen sein. KMU, Mittelstand, Konzern
KMU bedeutet „Kleine und Mittlere Unternehmen“ in der Regel 10-100 Mitarbeiter groß. Ab ca. 200 Mitarbeitern spricht man vom Mittelstand, der durchaus bis 10.000 Mitarbeiter gehen kann. Dann ist es der große Mittelstand. Von Konzernen spricht man in der Regel bei Unternehmen und Unternehmensverbünden ab einer Mitarbeiterzahl von 25.000.

*Exkurs mittelständisch/mittelständig

Als geborener und bekennender Rheinländer tu ich mich mit dem „-ig“ und dem „-isch“ schwer. Jetzt möchte ich mal so richtig (mit „ik‘ am Ende gesprochen) gut Deutsch schreiben und nutze das Wort „mittelständig“ („ik“ am Ende). Word sagt mir auch, dass ich alles richtig geschrieben habe. Ganz großer Fehler. Unternehmen sind mittelständisch. Mittelständig ist ein Begriff aus der Biologie und bezieht sich auf den Blütenstand. Selbst bei erfahrenen Führungskräften, nicht nur im Rheinland, ein oft gesehener Fehler.
Nachdem ich mein Profil mit den sechs W definiert und priorisiert habe, beginne ich mit der Suche nach Unternehmen, die dazu passen.
1. Niemals ist man so mobil wie nach dem Studium. Später kommen Partnerschaften, Immobilie und die Einbindung in das soziale Umfeld, die den Bewerber immer mehr in seiner Umzugsbereitschaft einschränken.
Ballungsräume bieten oft eine größere Auswahl an freien Stellen und bei einem nötigen Arbeitgeberwechsel evtl. auch ohne Umzug Anschlussmöglichkeiten. Dafür ist der Lebensunterhalt in der Regel teurer in strukturärmeren Regionen. Komme ich im Ballungsraum mit dem ÖPNV aus, ist auf dem Land das Fahrzeug Pflicht, wenn es um meine Mobilität geht. Oft gibt es auch Regionen, in denen eine bestimmte Branche sowie deren Zulieferer besonders stark gebündelt sind.
2. In Bezug auf die Branche kann ich mich auf Messen oder Messewebseiten (Aussteller) sowie bei übergeordneten Verbänden informieren. Auch Industrie- und Handelskammern (IHK) können eine gute Adresse für erste Informationen sein. Alle gängigen Stellenbörsen, die übergreifend, mit regionalem Bezug oder mit Branchenbezug sind, bieten aktuelle Stellen und oft auch erste Profile der Unternehmen sowie viel zusätzliche nützliche Hinweise.

Erste Schritte

Der Einstieg erfolgt in der Regel als Fachkraft. Im Weiteren entwickele ich mich zur Führungskraft oft über die Stufen Projektleiter, Abteilungsleiter, Bereichsleiter usw. In dieser Reihenfolge sollte man sich auch möglichst weiter entwickeln. Ein Zurückgehen auf eine frühere Stufe wird hierzulande oft mit Versagen gleichgesetzt. „Gewogen und zu leicht befunden“, lautet dann das Urteil und macht dem Bewerber den Wiedereinstieg besonders schwer.
Welche Technologie heute en vogue ist, morgen vor dem Zusammenbruch steht oder übermorgen erst richtig aufblüht, ist meist dem Zufall überlassen. Machen Sie sich Gedanken dazu, fragen Sie, auch im Bewerbungsgespräch, und treffen Sie die Entscheidung aus Ihrer aktuellen Situation heraus.

Verdienst

3. Der Verdienst sollte so hoch wie möglich sein, denken viele und stolpern in die erste Falle mit dem Berufseintritt. Was ich in den ersten beiden Jahren verdiene, ist völlig egal, hat mir mal ein wohlwollender Mensch erläutert. Das, was ich in den letzten Jahren meiner Berufstätigkeit, wenn ich in Rente gehe, verdiene, ist viel wichtiger. Nur die Grundausrichtung, die Weichenstellung mache ich oft schon in jungen Jahren, ohne die Spätfolgen auch nur in Erwägung zu ziehen. Aus meiner Sicht ist die Perspektive, die eine Stelle zur Weiterentwicklung bietet, wichtiger als die Entlohnung. Allerdings sollte das Ganze ausgewogen sein und ich mich nicht unter Wert verkaufen. – Ja, was bin ich denn nun wert? – Es gibt zahlreiche Gehaltsrechner in den verschiedenen Foren, die Branche, Größe, Position und Region zum Teil beachten und irgendwelche Zahlen ausspucken. In vielen Stellenbörsen sind Gehaltsbandbreiten abgedruckt bzw. veröffentlicht, an denen sich die Bewerber, gerne an der Obergrenze, orientieren.
Sie sind wert, was ein Unternehmen bereit ist, für Sie auszugeben. Unternehmen wollen keine Mitarbeiter einstellen, sie müssen. Mit den beiden Sätzen auf der Zunge setzen Sie sich nochmal in Ruhe hin und überlegen, was Sie wert sein könnten. Je nach Ihrer Situation (ich habe einen Job – jmd. will mich, ich werde bald keinen Job mehr haben – und suche aktiv, und ich habe keinen Job – ich brauche dringend einen) verschiebt sich der Meridian in Richtung weniger ist besser, weil die Chance auf Einstellung wächst.

Reisebereitschaft

4. Wie oft ich verreisen kann und möchte, hängt nicht zuletzt von den Lebensumständen ab. Je flexibler ich bin, desto größer ist die Auswahl an Stellen. Die geforderte Reisetätigkeit variiert von internationaler Reisebereitschaft mit längeren Abwesenheiten (international uneingeschränkt) über uneingeschränkte Reisebereitschaft (in der Regel max. 4 Übernachtungen pro Woche, am Wochenende zu Hause) bis zur lokalen Reisetätigkeit (abends daheim) oder der gelegentlichen (ab und zu auf Messe oder Seminar) oder es gibt keine Reisetätigkeit. Das immer in Abhängigkeit von Ihrer Tätigkeit (Beratung, Vertrieb, Projektleitung etc.). Manchmal wird es in den Stellenanzeigen veröffentlicht oder Sie können es aus der Stelle schließen. Bei Fragen können Sie auch das ausschreibende Unternehmen kontaktieren und nachfragen.

Fahrtstrecke

5. Ist natürlich von 1 (Ihre Mobilität), abhängig. Die Empfehlung lautet nicht über 1h Fahrtzeit. Bitte prüfen Sie das im Berufsverkehr (am besten Mo. oder Di.) und nicht am Wochenende. Machen Sie sich klar, dass 1 h hin und 1 h zurück in der Woche 10 h Fahrtzeit sind. Das ist fast eine Woche pro Monat! ,Zudem werden Firmen-KFZ mit der Entfernung zum Arbeitsort versteuert und damit häufig unattraktiv.

Konzern oder Kleinunternehmen?

6. Der eine fühlt sich im kleinen Familienbetrieb wohl, der andere blüht erst in der Spezialistenrolle im Konzern richtig auf. Es gibt hier kein gut oder schlecht, nur ein passt oder passt nicht zu mir. Sammeln Sie frühzeitig Erfahrung in verschiedenen Unternehmensgrößen und stellen Sie für sich fest, was Ihnen mehr liegt. Generell ist es in der späteren Karriere leichter, vom großen zum nächst kleineren Unternehmen zu wechseln als umgekehrt. Sprünge sind zu vermeiden, da es aufgrund der unterschiedlichen Hierarchiestrukturen sowie den Firmenkulturen immer zu Spannungen beim Wechsel führen wird.
Erstbewerbern sei empfohlen, aus dem Alumnikreis ältere Semester anzusprechen sowie in Praktika Augen und Ohren offen zu halten. Auch die Professoren haben meist ein gutes Netzwerk in die Industrie.
Besuchen Sie Fach- oder Bondingmessen an den Hochschulen. Auch der VDI bietet seinen Mitgliedern und Studenten viele Informationen zu Berufsbildern und möglichen Ansprechpartnern sowie Veranstaltungen zu diesen Themen an.
Noch Fragen zu der Auswahl der Branchen? Immer her damit! Weitere Fragen beantworte ich gerne auf Zuschrift und nehme diese gegebenenfalls auch anonymisiert hier auf. Ihre Fragen können Sie mir per Email an christof.wirtz@abcgroup.de zu senden. Alle Daten werden vertraulich behandelt. Bis nächste Woche, wenn es um das Versenden und Nachfassen geht.
Alle bisher veröffentlichen Beiträge finden Sie hier: www.bewerber-abc.de, unser neues Stellenportal ist zur Zeit in Arbeit. Einen ersten Eindruck, mit echten Stellen, finden Sie unter dem Link.

2 Gedanken zu „Die Auswahl von Branchen, Unternehmen und Stellen

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