Christof Wirtz Niederlassungsleiter

Fragen im Bewerbungsgespräch

Vielen Dank für Ihre zahlreichen Einsendungen zum Thema. Ich habe Ihre Fragen sortiert und möchte aufgrund der Fülle in drei Blöcken darüber schreiben. Im heutigen Teil geht es um die allgemeinen Fragen im Bewerbergespräch, auf die Sie sich einstellen können. Der zweite Teil ‚spezielle Fragen‘ erscheint nächste Woche. Hier möchte ich die etwas ungewöhnlicheren Fragen beleuchten und was sich der Fragesteller davon erhofft. Im dritten Teil geht es um Ihre Fragen, die Sie stellen und sich darauf vorbereiten können

Fragen lassen sich in folgende Kategorien unterteilen.

  1. Geschlossene Fragen, die mit ja/nein bzw. einer vorgegebenen Auswahl (entweder/oder) beantwortet werden können.
  2. Offene Fragen, die ohne Vorgaben seitens des Fragestellers Ihnen viel Freiraum für die Antwort verschaffen
  3. Fragen, deren Sinnhaftigkeit bzw. deren Bedeutung für die konkrete Bewerbungssituation sich oft nicht erschließen lässt.
  4. Unzulässige Fragen.

Generell gilt, dass alle Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten sind. Auch die Nichtbeantwortung einer Frage aus moralischen bzw. ethischen Grundsätzen ist zulässig. Jedoch werden Sie auf Dauer eine Blockadehaltung im Gespräch sowie eine gewisse Einsilbigkeit, die oft bei unerfahrenen Bewerbern zu erkennen ist, nicht weiterbringen.

Geschlossene Fragen sind daran zu erkennen, dass Sie sie meistens nur mit „ja“ oder „nein“ beantworten können.

„Wohnen Sie noch bei den Eltern?“, „Sind Sie mit Bus, Bahn oder PKW gekommen?“, „Wie viele Geschwister haben Sie?“, um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Frage „Sind Sie schwanger?“ gehört ebenfalls zu dieser Fragekategorie. Jedoch ist das eine der Fragen, die zwar nicht verboten ist, die Sie aber dennoch nicht wahrheitsgemäß beantworten müssen bzw. deren Beantwortung Sie ablehnen dürfen.* Es gehört auch nicht zum guten Stil, eine solche Frage zu stellen. Weitere Fragen zu Geschlecht, Alter, Rasse, Religion, Familienstand, sexueller Ausrichtung sind ebenfalls Fragen, deren Beantwortung nicht als Auswahlkriterium für oder gegen einen Kandidaten dienen dürfen.

Offene Fragen

Viele offene Fragen bereiten den meisten Bewerbern wenig Kopfzerbrechen. „Wie lange haben Sie für das Abitur gebraucht?“, „Warum sind Ihre Noten in Diplom nur befriedigend?“, „Wieso mussten Sie die XY AG in der Probezeit verlassen?“. Alles Fragen, die sich konkret mit Ihnen und Ihrem Lebenslauf beschäftigen und auf die Sie, ohne sich in die Opferrolle zu begeben, siehe Bewerber A!B!C „Das Vorstellungsgespräch“ antworten sollten. Es kann sein, dass Ihr Gesprächspartner nur eine kurze Information hören möchte. Es kann aber auch sein, dass er Ihnen den Ball zuschieben möchte, um von Ihnen etwas mehr zu erfahren. Zwei Punkte sind daher fein zu differenzieren. Der eine will nur eine kurze Antwort und stöhnt innerlich über den zu langatmigen Kandidaten, der anstatt kurz, knapp bündig zu formulieren, ellenweit ausholt. Der andere will Sie dazu bewegen mit einem gewissen Redefluss mehr von sich preiszugeben, als nur die bislang gehörten einsilbigen und kurzen Antworten.

Und, wie erkenne ich das? Ist das die sogenannte hohe Kunst der Kommunikation? – Nein, noch nicht ganz. Zumeist erkennen Sie es an der Mimik Ihrer Gesprächspartner und vor allem an sich selbst. Achten Sie auf sich, die anderen Beteiligten und die Redeanteile auf beiden Seiten. Werden Sie fordernd angeschaut und haben bislang nur kurz geantwortet, will man wahrscheinlich mehr von Ihnen hören. Reden Sie die ganze Zeit und antworten auf jede auch noch so kurze Frage mehr als 5 Minuten, Ihr Gegenüber schaut gelangweilt drein, gähnt und schaut Hilfe suchend die anderen Gesprächsteilnehmer an, so sollten Sie sich kürzer fassen.

Sind Sie unsicher?

Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie einfach nach. „Entschuldigen Sie die kurze Zwischenfrage, möchten Sie hier mehr von mir hören als nur eine kurze Antwort?“, „Darf ich zur Beantwortung der Frage etwas ausholen?“, „Stört es Sie, wenn ich so ausführlich weiter berichte?“. Generell sollten Sie lernen, abwechslungsreich, spannend und interessiert die Fragen zu beantworten und auch später selber Fragen stellen.

Viele von Ihnen haben mich gefragt, was Sie konkret auf bestimmte Fragen antworten sollen. Sie können sich nicht auf alle Fragen, die es gibt, vorbereiten. Bereiten Sie sich auf sich vor und antworten Sie ansonsten so, wie Sie denken, dass es richtig ist. Wenn Sie antworten, wie es jemand anderes Ihnen vorgibt, sind Sie in der Rolle des Bewerbers nicht Sie selber und erhalten im schlimmsten Fall eine Stelle, die nicht zu Ihnen passt. Später führt das zu Unglücklichsein über Schlechtleistung bis hin zur Kündigung.

*In Berufen, in denen eine Gefahr für das ungeborene Kind besteht (u.a. Radiologie, pharmazeutische oder chemische Wirkstoffe und andere) ist diese Frage nicht nur zulässig, der Gesprächspartner im Bewerbungsgespräch wird auch auf die Wichtigkeit dieser Frage und der wahrheitsgemäßen Beantwortung hinweisen. Oft erfolgt dann auch eine Werks- oder Amtsärztliche Untersuchung (natürlich nur mit Einverständnis der Kandidaten).

Noch Fragen zum Vorstellungsgespräch oder der damit verbundenen Aufgabe? Bitte melden Sie sich bei mir. Weitere Fragen beantworte ich gerne auf Zuschrift und nehme diese gegebenenfalls auch anonymisiert hier auf. Ihre Fragen können Sie mir per Email an christof.wirtz@abc.jetzt zu senden. Alle Daten werden vertraulich behandelt. Bis nächste Woche, wenn es um spezielle Fragen im Gespräch geht. Übernächste Woche geht es dann um unzulässige Fragen.

Alle bisher veröffentlichen Beiträge finden Sie hier: www.bewerber-abc.de, unser neues Stellenportal ist zur Zeit in Arbeit. Einen ersten Eindruck, mit echten Stellen, finden Sie unter dem Link.

2 Gedanken zu „Fragen im Bewerbungsgespräch

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