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Spezielle Fragen im Vorstellungsgespräch

Es gibt in einigen Bewerbungsgesprächen Spezielle Fragen, die nicht beantwortbar sind.

„Wie hoch ist das Brutto-Sozial-Produkt von Kanada?“, „Wie viele Smarties passen in einen Smart?“, „Wie viele Bäume müssen gefällt werden, um alle Wohnungen in Köln-Porz mit Parkett auszulegen?“ oder ähnliche.

Hier ist Schlagfertigkeit gefragt und evtl. auch eine gewisse Abschätzungsleistung. Keiner erwartet von Ihnen eine genaue Zahl, man möchte Sie denken sehen. Zu der Parkettfrage z.B. wäre eine mögliche Antwort diese:

„Also Köln hat ca. 1 Million Einwohner, Porz als einer von über 70 Stadteilen ca. 50.000 Einwohner, die überschlägig in 20.000 Wohnungen mit durchschnittlich 80 m² (Annahme!) wohnen. In jedem Haus werden ca. ¼ der Wohnfläche mit Parkett ausgelegt (Annahme Wohnzimmer = 20 m²). Das entspricht ca. 400.000 m² Parkett. Aus einem Baum sind bei 6 mm Parkettdicke und ca. 60 cm Durchmesser ca. 100 Scheiben zu schneiden von denen ich in Summe nur 50 voll nutzen kann. Ich gehe von einer nutzbaren Stammlänge von ungefähr 8 m aus. Ein Baum bringt dann ca. 8 m * 0,5 m * 50 = 200 m² verlegbares Parkett, die Aufbauschichten darunter werden aus dem übrigen kleingeraspelten Restmaterial erstellt. D.h. wir brauchen ca. 2.000 Bäume.“

Eine andere Frage wäre, „Warum Parkett, wenn Laminat doch günstiger ist?“ Die Antwort „Weiß ich nicht.“ ist die ehrlichste, führt hier aber nicht weiter.

Weiterhin gibt es Fragen, die auf Ihre Leistungsbereitschaft oder Ihre Teamfähigkeit abzielen.

„Was verstehen Sie unter Leistungsbereitschaft?“

Eine Antwort dazu finden Sie in diesem Blog, Sie wurde mir von einem Kandidaten gestellt und beantwortet „Was heißt Leistungsbereitschaft?“

„Wo sehen Sie Ihre Stärken und Schwächen?“

Eine Standardfrage, die nahezu in jedem Gespräch kommt. Viele meiner Kandidaten sind erstaunt und fangen an, sich erst in der Situation mit der Frage auseinander zu setzen. Die Stärken sind ja in der Regel noch schnell zu beantworten, bei den Schwächen tun sich viele sehr schwer. Dabei ist es gerade diese Frage nach Unsicherheiten, Unwohlsein, die zeigt, wie sehr Sie sich schon mit sich selber auseinandergesetzt haben.

Stärken = Eigenbild, Schwächen = Fremdbild. Das ist die Metafrage hinter der eigentlichen Frage. Ihr Gesprächspartner möchte wissen, wie gut Sie sich kennen und wie Sie auf andere wirken und ob Ihnen das bewusst ist. Ein weiterer Punkt ist die Frage, ob Sie überhaupt Fehler und Schwächen eingestehen können.

Supermann oder Superfrau gibt es nur im Comic – und auch die haben Schwächen (Kryptonit). Machen Sie sich klar, wer Sie sind, bevor Sie ins Gespräch gehen! Zu oft habe ich nicht nur von Absolventen und Berufsanfängern, denen ich das noch verzeihen kann, sondern auch zum Teil von langjährigen Führungskräften die Antwort „Ich habe keine Schwächen.“ erlebt. Das ist die falsche Antwort.

Im Übrigen sind viele Schwächen auch Stärken und umgekehrt. Zum Beispiel „Ich bin manchmal etwas hartnäckig.“ zeigt, dass Sie sich vertieft einem Thema widmen können. Auf der anderen Seite ist „Ich bin Generalist“ oft auch ein Zeichen von nicht genügend fachlichem Tiefgang.

Stärken und Schwächen erkennen

Wie finde ich nun mehr über mich und meine Schwächen, mein Eigen- und Fremdbild heraus? Am besten machen Sie sich erstmal eine kleine Tabelle in der Sie auflisten, welche Stärken und Schwächen Sie von sich kennen bzw. was Ihnen Familie, Freunde und auch Lehrer, Professoren, Ausbilder sowie Kollegen und Vorgesetzte zum Punkt Stärken und Schwächen schon einmal gesagt haben. Sie können die gleiche Personengruppe natürlich auch gezielt befragen. Sollten Sie das tun, achten Sie bitte auf die folgenden Punkte:

Ihnen nahestehende Personen kennen Sie gut und mögen Sie. Es fällt ihnen nicht immer leicht, etwas Negatives über Sie zu sagen. Machen sie das dennoch, sollten Sie auf keinen Fall in irgendeine Verteidigungshaltung gehen und antworten „Das sehe ich aber anders!“ oder so ähnlich. Bedanken Sie sich für die Antworten, schreiben Sie diese auf und denken nach 24 Stunden wieder drüber nach. Keiner will Ihnen etwas Böses, Sie haben gefragt!

Aus der Summe der Antworten können Sie für sich bestimmt 2-3 Schwächen und 4-5 Stärken ableiten.

Eine genauere Analyse ist an dieser Stelle nicht möglich, da es hierfür eine persönliche Gesprächssituation am besten mit Blickkontakt geben sollte.

Welche Fragen sind unzulässig? Die Antwort finden Sie hier.

Noch Fragen zum Vorstellungsgespräch oder der damit verbundenen Aufgabe? Bitte melden Sie sich bei mir. Weitere Fragen beantworte ich gerne auf Zuschrift und nehme diese gegebenenfalls auch anonymisiert hier auf. Ihre Fragen können Sie mir per Email an christof.wirtz@abc.jetzt zu senden. Alle Daten werden vertraulich behandelt. Bis nächste Woche, wenn es um Ihre Fragen geht.

Alle bisher veröffentlichen Beiträge finden Sie hier: www.bewerber-abc.de

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Ein Gedanke zu „Spezielle Fragen im Vorstellungsgespräch

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