Vorstellungsgespräch

Ist man eigentlich noch Herr seiner Sprache?

Immer wieder stelle ich in Bewerbungsgesprächen fest, dass Kandidaten das Wort ‚man‘ nutzen, wenn es ‚eigentlich‘ um sie selber geht.

Schwups – da ist es auch mir passiert. ‚Eigentlich‘ ein Füllwort, wie es im Buche steht. Haben Sie sich auch schon mal dabei ertappt, wie Sie das Wort ‚eigentlich‘ gebrauchen? Was sagt es eigentlich aus?

Es schmälert vor allem aus meiner Sicht das nachfolgen Wort an Bedeutung.

Ich bin ein guter Mitarbeiter. – Ich bin eigentlich ein guter Mitarbeiter.

Was denken Sie, wenn Sie die beiden Sätze (laut) lesen?. Richtig. Im zweiten Satz wird die Aussage ein guter Mitarbeiter zu sein eingeschränkt. Es lässt den Sprecher unsicher und schwach erscheinen. Oder ist er sich seiner Aussage gar nicht so sicher, wo sind die Einschränkungen?

Auf jeden Fall sind alle Fragen, die im Zusammenhang mit dem ‚eigentlich‘ im Bewerbungsgespräch auftauchen nicht förderlich für das Fortkommen im Bewerbungsprozess.

Doch zurück zum Thema. ‚Man‘ darf ja mal abschwenken.

‚Man‘, wieso ‚Man‘? Wer ist denn gerade abgeschwenkt? Sie werter Leser folgten lediglich meinen Ausführungen. ‚Ich‘ bin abgeschweift.

Genauso ist es im Bewerbungsgespräch. Nicht ‚man‘ gibt Fehler und Schwächen zu, sondern Sie. Sie sind aktuell der Gesprächsteilnehmer und nicht jeder x-beliebige ‚man‘.

Durch den Gebrauch des Wortes ‚man‘ begeben Sie sich in eine Opferrolle. Nicht Sie gestehen etwas ein, Sie entschuldigen Ihr Verhalten dadurch, dass ‚man‘ es ja so macht.

Auch viele weitere Füllwörter wie z.B. ‚vielleicht‘, ‚irgendwie‘, ´quasi`, ‚sowieso‘ und alle ‚äh‘, ‚hmmh‘, ‚also‘ sowie Konjunktive (hätte, würde, könnte) sind in einem guten Gespräch zu vermeiden.

Sie können das üben. Achten Sie auf das was Sie sagen und wie Sie es sagen. Schalten Sie Ihre Ohren ein, wenn Sie sprechen. Idealerweise so, dass Sie sich hören, bevor Sie sprechen und Sie so Korrekturen vornehmen können. Machen Sie sich Notizen während Sie sprechen üben und achten Sie darauf, wie oft Sie welche Füllwörter nutzen. Schreiben Sie sich jedes Mal, wenn Sie sich beim ‚schwafeln‘ ertappen auf, welches Wort Sie genutzt haben und wie Sie den Satz anders formulieren können. Das ist, zugegeben, am Anfang etwas holprig, geht Ihnen aber zunehmend in Fleisch und Blut über, bis Sie von selbst darauf achten.

Noch Fragen zu Füllwörtern oder Stolperfallen im Bewerbungsgespräch? Bitte melden Sie sich bei mir. Weitere Fragen beantworte ich gerne auf Zuschrift und nehme diese gegebenenfalls auch anonymisiert hier auf. Ihre Fragen können Sie mir per Email an christof.wirtz@abc.jetzt zu senden. Alle Daten werden vertraulich behandelt. Bis nächste Woche, wenn es um die Kündigung geht. Es gab einige Zuschriften, die darum gebeten haben das Thema Kündigung intensiver darzustellen.

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