Lügen im Vorstellungsgespräch

Kann man Lügen im Vorstellungsgespräch erkennen? Vielleicht haben Sie Tipps, wie ich dies erkennen kann? – Leserfrage

Leserfrage

Eine Bewerberin, Mitte 40 fragt: „Kann man Lügen im Vorstellungsgespräch erkennen ? Vielleicht haben Sie Tipps wie ich dies erkennen kann?“

Antwort

„Es wird selten so viel gelogen wie vor dem Krieg, nach der Jagd und im Bewerbungsgespräch!“

Na ja, das Sprichwort stimmt für das Bewerbungsgespräch nicht ganz, jedoch habe ich von der Tendenz schon viel in diese Richtung erlebt und zwar von beiden Seiten.

Dabei ist es meist nicht das bewusste Lügen, sondern eher die Wunschvorstellung, wer man ist bzw. welche Stelle und welches Unternehmen man anbietet, die nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Wenn also jemand im Gespräch aus tiefster Überzeugung etwas sagt, was er für richtig hält, werden Sie wenig Chancen haben, ihn zu entlarven. Es sei denn mit Fakten, die Sie unterlegen können.

Lügt jemand absichtlich, so gibt es durchaus Merkmale und Anzeichen, dieses zu erkennen. Eine Lüge benötigt in der Formulierung und der Aussprache – der Lügende weiß ja, dass er lügt – mehr Energie als eine wahre Antwort. Dieses ‚Mehr an Energie‘ muss der Körper produzieren. Die Folge sind höherer Puls, höherer Blutdruck, Schwitzen, schnellerer Atem, zu enger Hemdkragen, eine kribbelnde Nase, Unruhe, Juckgefühle, schnellere bzw. höhere Stimmlage, rote Flecken im Gesicht und den Armen. Bei jedem äußert sich das ein wenig anders. Der gute Schauspieler vermag es zu verdecken, insbesondere, wenn er nicht über sich selber sondern etwas anderes lügt.

Woran erkenne ich es konkret im Gespräch? Viele fassen sich an die Nase (weil die kribbelt), fassen sich an den Hemdkragen oder den Nacken (der Hals bzw. die Halsschlagader schwillt an), bekommen feuchte Flecken unter den Achseln (Schweißausbruch) oder wibbeln auf einmal auf dem Stuhl bzw. bewegen sich mehr als früher.

Das alles sind Indizien und keine Beweise für eine Lüge. „Sie lügen mich an!“ wäre die falsche Reaktion. Merken Sie sich, was Ihr Gegenüber gesagt hat und fragen Sie nach, vertiefen Sie die Frage oder stellen Sie die Frage 1-2 Minuten zurück und fragen erneut nach, z.B. „Um nochmal auf den Punkt von eben zu sprechen zu kommen…“

Alles das geht nur im persönlichen Gespräch. Am Telefon ist das nahezu nicht erkennbar.

Weitere Informationen zum Vorstellungsgespräch finden Sie hier.

Wie waren Ihre Erlebnisse? Welche Fragen haben Sie? Kontaktieren Sie mich unter Christof.wirtz@abc.jetzt ,

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