Körperhaltung im Bewerbungsgespräch

Wohin mit meinen Händen im Bewerbungsgespräch?

In einem Bewerbungsgespräch mit einem Kandidaten beim Kunden fiel mir auf, dass der Kandidat unsicher war und nicht wusste, wohin mit seinen Händen.

In der Folgezeit habe ich verstärkt bei den Gesprächen darauf geachtet, was Kandidaten mit ihren Händen machen und wie die Reaktion auf Kundenseite dazu ist. Im Nachgang habe ich dann bei Auffälligkeiten mit dem Kandidaten darüber gesprochen, was er bzw. sie denn damit ausdrücken wollte.

In den meisten Fällen war es den Bewerbern überhaupt nicht bewusst, dass sie mit den Händen ‚gesprochen‘ haben. Dennoch erzeugt die Körpersprache eine nicht zu unterschätzende Wirkung beim Gegenüber.

Im heutigen Beitrag möchte ich zunächst auf die Hände und Arme eingehen, Anmerkungen und Hinweise zur Körpersprache insgesamt sowie zur Mimik folgen in einem späteren Artikel.

Hände auf oder unter den Tisch?

Arme verschränken ja oder nein?

Aus meiner Sicht gehören die Hände bei einem Gespräch im Sitzen auf die Tischplatte, die Arme auf keinen Fall. Auch ein Verschränken der Arme im Gespräch ist – egal ob sitzend oder stehend – ein Abwehr-/Schutzsignal an den anderen und somit zu vermeiden. Die Ausnahme bildet eine Gesprächssituation, in der Sie etwas bewusst durch die Armverschränkung unterstreichen wollen (z.B. die Uneinsichtigkeit einer anderen Person).

Gefaltete Hände mit abgestütztem Ellenbogen auf dem Tisch machen in der Kirche einen frommen Eindruck, helfen Ihnen auf keinem Fall im Bewerbungsgespräch. Auch der abgestützte Kopf auf der Hand geht auf gar keinen Fall. Den meisten haben das schon die Eltern beigebracht.

Manch Bewerber lässt sich schon beim Bewerbungsfoto mit der Hand am Kinn oder stark gestikulierend ablichten. Weder beim Foto und auf gar keinen Fall beim Bewerbungsgespräch bringt Sie das einen Schritt weiter nach vorne. Es wirkt zu überheblich.

Wenn Sie sich bei der Beantwortung von Fragen an den Kragen oder den Hals fassen, deutet das daraufhin, dass es Ihnen unangenehm ist (der Kragen wird zu eng, der Hals schwillt an).

Sie fassen sich bei der Antwort an Ihre Nase? Schon Pinocchio wurde unterstellt, dass seine Nasenspitze beim Lügen wächst. Auch im Gespräch liegt die Vermutung nahe, dass Sie sich bei einer solchen Geste von der Wahrheit entfernen.

Sie wundern sich und reiben sich die Augen? Sie nesteln an Ihrer Brille während des Gesprächs oder fummeln unter oder auf dem Tisch mit einem Stift? Alles Zeichen, die als Unsicherheit gewertet werden.

Bitte zeigen Sie auch nicht mit dem Stift in der Hand auf Ihre Gesprächsteilnehmer. So manch einer fühlt sich dabei bedroht oder angegriffen und lächelt nur, weil der Stift kein Dolch bzw. keine Pistole ist.

Ihre Kleidung sitzt. Den Sitz überprüfen Sie vor Verlassen Ihrer Wohnung, evtl. korrigieren Sie kurz vor dem Gespräch an einem geeigneten Ort noch mal den Sitz von Krawatte, Rocksaum oder ähnlichem. Im Bewerbungsgespräch wirkt das mitunter sehr irritierend.

Der Gipfel, den ich in einem Gespräch erlebt habe, war, dass sich der Bewerber die Nasenhaare richtete, während er sprach. Ich denke nicht, dass das weiter zu kommentieren ist. Auf jeden Fall wurde dieser weder vom Kunden mit Handschlag verabschiedet noch eingestellt.

Und wohin jetzt mit meinen Händen, mögen Sie sich fragen.

Auf den Tisch, Handflächen in bequemer Haltung nach unten, die Finger leicht gekrümmt. Bitte achten Sie auf die Nagelpflege vor dem Gespräch, auf keinem Fall während des Gesprächs.

Zur Unterstützung dessen, was Sie sagen, dürfen Sie Ihre Hände nutzen. Ob Sie jetzt stark gestikulieren oder eher zurückhaltend die Hände überhaupt nicht oder nur wenig nutzen, ist Ausdruck Ihres Charakters. Hiervon abzuweichen, bedeutet hartes Training, sonst wirken Sie zu unglaubwürdig. Auch bringt es nichts, sich zu sehr zu verstellen. Am Ende bekommen Sie einen Job, dem Sie nicht gewachsen sind oder in dem Sie unterfordert sind.

Natürlich können Sie sich mit einem entsprechenden Training zum Trainer, Speaker, Moderator usw. ausbilden, um zu verstehen, was bestimmte körpersprachliche Gesten und Signale bedeuten bzw. wie diese in unterschiedlichen Kulturkreisen interpretiert werden. Nicht jede Hand- oder Körperhaltung hat überall die gleiche Wirkung.

Für das Bewerbungsgespräch reicht es in der Regel so zu sein, wie Sie sind und auf die oberen Beispiele zu achten.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Bewerbungsgespräch.

Mit Ihren Fragen und unseren Tipps zu Bewerbung, Karriere und Job geht es auch in diesem Jahr weiter auf www.bewerber-abc.de

Wir freuen uns auf Ihre Fragen und Anregungen.

 

 

 

3 Gedanken zu „Wohin mit meinen Händen im Bewerbungsgespräch?

  1. Eine Leserin in LinkedIn fragt: Ich wundere mich was Sie schon erlebt haben. Ich wundere mich ebenso auf die Haltung des zukünftigen Arbeitgebers. Mir ist schon an einigen Gesprächen aufgefallen wie mein Gegenüber lässig auf dem Stuhl mit gekreuzten Beinen saß und das obere Bein stets in Bewegung. Was soll ich davon halten? Oder mein Gegenüber stellt mir eine Frage, schaut mir aber dabei nicht in den Augen…

    1. Nicht alles was ich erlebt habe, habe ich schon beschrieben. 🙂 Die übereinander geschlagenen Beine sind ein sehr spezielles Thema. Hier habe ich noch keine allgemeingültigen Hinweise, ob das nun gut oder nicht gut ist. Generell deuten die übereinander geschlagenen Beine eher auf Unsicherheit und Abwehr als auf Dominanz und Stärke hin. Allerdings (!) gibt die Kleidung der Frauen, insofern sie einen Rock tragen, diese Beinhaltung schon vor. Alles andere würde hier thematisch nicht so gut rein passen. Das federn mit den Beinen, das (nervöse) trommeln mit den Fingern, deuten für mich auf jeden Fall auf Unsicherheit hin. Der fehlende Augenkontakt bei Fragen und Antworten ist ein Zeichne, dass sich derjenige nicht wohl fühlt bzw. Angst haben könnte. Man muss sich nicht permanent in die Augen starren. Ein guter Augenkontakt ist für ein Bewerbungsgespräch allerdings sehr wichtig. Sehr oft habe ich schon gehärt „Der hat mir nicht in die Augen geschaut und meinem Blick nicht standhalten können, den stellen wir nicht ein.“

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