Archiv der Kategorie: Lebenslauf

Blick in das Kuriositätenkabinett der Bewerbung

Bei mir löst so manche Bewerbung ein ungläubiges Staunen aus, gefolgt von dem Gedanken ‚Was will der Bewerber damit erreichen?‘

Die Palette ist reichhaltig, hier möchte ich ein paar Kuriositäten als Auszug nehmen und bitte inständig darum, dass diese auf keinen Fall nachgeahmt werden sollen.

Im Anschreiben und im Lebenslauf alles klein schreiben. „sehr geehrter herr wirtz, aus ihrer stelleanzeige….“ Wozu soll das gut sein? Die einzige Erklärung, die ich darauf habe ist, dass der Bewerber die Rechtschreibung nicht beherrscht und lieber direkt alles klein schreibt, bevor es zu offensichtlich wird. Das i-Tüpfelchen aus meiner Sicht war jedoch, dass der Wohnort mit drei Großbuchstaben am Anfang geschrieben wurde. (DÜSseldorf). Spätestens an dieser Stelle fällt die Bewerbung in den ‚Absagen‘ Korb.

 An das Bewerbungsfoto vor Schrankwand, im Garten oder im Urlaub am Strand habe ich mich ja schon fast gewöhnt. Auch Fotos mit Hund und Pferd oder Auto sind nicht selten. Ungekämmt, schlecht sitzende Kleidung und auch viel zu alte Fotos (> 3 Jahre) erlebe ich des Öfteren. Nur das Foto mit Bierdose und Zigarette in der Hand auf dem Campingstuhl…. Ich weiß bis heute nicht, was sich der Bewerber dabei gedacht hat.

 Verschnörkelte Rahmen im Lebenslauf, Blumenranken an der Seite des Anschreibens. Zu mindestens aus der Sicht des Bewerbungsempfängers im technischen Umfeld kann ich Ihnen sagen, dass so etwas nicht zielführend ist. Ich weiß nicht, wie andere Branchen darüber denken, jedoch wage ich zu sagen, dass eine Bewerbung im neutralen Format besser ankommt, als zu viel Geschnörkel Drumherum.

Ein weiteres Kuriosum stellen für mich Bewerber da, die entweder bei Termineinladungen kaum Zeit haben oder nur vor 8:00 und nach 19:00 Uhr zu erreichen sind. Für ein erstes Telefonat muss es auch Möglichkeiten dazwischen geben. Oft kann es ein persönliches Treffen auch am Wochenende geben. Spätestens jedoch, wenn das Unternehmen einlädt, sollten Sie sich an irgendeinem Tag in der üblichen Bürozeit (9:00-17:00) Zeit für das Gespräch nehmen können. Es deutet auf mangelnde Priorität für einen Wechsel hin, wenn Sie zu lange bei der Terminvereinbarung rumeiern.

In einem sehr gut laufenden Bewerbungsgespräch mit dem einstellenden Unternehmen hat neulich der Kandidat in den letzten 10 min (von 90 min Gespräch) eröffnet, dass er frühestens in 18 Monaten zur Verfügung stehen wird. Das hätte er besser vor dem ersten Bewerbungsgespräch gesagt, dann hätten sich alle Beteiligten viel Zeit sparen können und er hätte ein Unternehmen mehr gehabt, bei dem er sich in 18 Monaten bewerben kann.

Dass die Bewerber in der Bewerbungsphase zum Teil andere Emailadressen nehmen, wie z.B. Bewerbung_Andreas_Schmitz@abc.de, finde ich durchaus vernünftig. Zum einen haben Sie einen Account, indem es nur um Ihre Bewerbung geht und wenig andere Emails eingehen, zum anderen können Sie diesen löschen oder nicht beachten, in Zeiten, in denen Sie nicht auf der Suche sind. Allerdings gibt es auch hier Emailadressen wie Klickeridklack@…. oder schatzimuas@…. oder latexfan@…. oder giselaundbert@ die aus meiner Sicht nicht in ein Bewerbungsverfahren gehören.

 Das mancher Bewerber in Deutschland nicht gut in Deutsch ist, ist insoweit kein Problem, wenn es nicht in der Stellenausschreibung gefordert wird. Wenn im Lebenslauf allerdings Ünüvürsität (soll Universität heißen) steht, wird das aus einem Lacher im Kreis der Kollegen des Bewerbungsempfängers Ihnen nicht weiterhelfen.

Keiner der hier geschilderten Fälle ist erfunden! Lediglich habe ich einige Beispiele soweit abgeändert, dass keiner der Bewerber daraus direkt zu ermitteln wäre. Es soll hier auch keiner verunglimpft werden. Im Gegenteil, nutzen Sie die vielerorts angebotenen Chancen (z.B. beim VDI, bei sozialen Institutionen, beim Nachbarn, Schulkollegen, anderen Studenten und Freunden oder hier beim Bewerber-A!B!C und auf www.bewerber-abc.de ) im Vorfeld der Bewerbung Ihre Unterlagen prüfen zu lassen. Alles was oben beschrieben ist, sind vermeidbare Fehler.

 

 

 

Unterschiede bei der Initiativbewerbung (Leserfrage)

Ein Absolvent fragt: „Gibt es zu beachtende Unterschiede zwischen einer Bewerbung auf eine vom Unternehmen ausgeschriebene Stelle und einer Initiativbewerbung? Leider habe ich hierzu noch keinen Beitrag auf https://bewerber-abc.de gefunden.“

Bei dem Format der Bewerbung gibt es keine Unterschiede. Es gibt Kandidaten, die eine Kurzbewerbung entworfen haben mit den wesentlichen Punkten auf einer Seite. Diese wird häufig als Teaser in einer Initiativbewerbung ohne weitere Dokumente im Anhang versendet. – Mir persönlich gefällt das nicht, es mag da andere Auffassungen geben.

Die einzigen Unterschiede die ich kenne:

  • Es gibt keine konkrete Stellenbeschreibung bei der Initiativbewerbung
  • Keine Ansprechpartner, es sei denn, Sie recherchieren die Personalverantwortlichen, die Geschäftsleitung oder einen zuständigen Fachbereichsleiter
  • Oft wird die Initiativbewerbung auch bei der Bewerbung bei einem Personalberater verwendet.

Inhalt, Dokumente und Lebenslauf bleiben gleich.

Auch hier sollten Sie nach 14 Tagen nachfassen und sich Notizen dazu machen.

 

Kostenfreie Bewerbungstipps sowie Vorbereitung auf Bewerbungsgespräch finden Sie unter https://bewerber-abc.de/bewerber-abc/ .

CV – (das) Curriculum vitae – Lebenslauf auf Englisch (Gastbeitrag)

Der Lebenslauf: Tot oder lebendig? – Passt!

Gastbeitrag von Harald Schneider (Inhaber Vorstellungsgespräch-Simulation auf Englisch – OK-Englisch-Training, Wiesbaden), https://www.xing.com/profile/Harald_Schneider
(Bild: Harald Schneider)

So wie Sie wahrgenommen werden möchten, so schreiben Sie Ihr CV auf Englisch. Dazu aber gleich mehr.

Informationen, wie man das CV, Curriculum Vitae, den Lebenslauf, auf Englisch schreibt, welche Inhalte anders sind als in der deutschen Variante und auf was man dabei achten sollte, lässt sich tausendfach im Internet nachlesen.

Meist geht es dort um Form und Inhalt. Da heißt es dann: Schreibe das CV auf Deutsch so – aber auf Englisch so. Entscheidend ist doch sicherlich nicht,  in welcher Sprache er geschrieben wird, um Form und Inhalt zu bestimmen, sondern wer Ihr CV liest.

Natürlich schreiben Sie einem koreanischen Management zwar ein CV auf Englisch, sollten aber bedenken, dass es Asiaten sind und keine Europäer oder US-Amerikaner. Andere Mentalität erfordert eine völlig andere Sichtweise und die sollte an den Empfänger angepasst sein, will der Bewerber seine Chance nicht im Vorfeld verspielen.

Schreiben Sie dagegen einem koreanischen Unternehmen mit deutschem Management in Deutschland, in dem die Unternehmenssprache trotzdem Englisch ist (weil die Eigentümer Koreaner sind) kann er stilistisch den Standardanforderungen an ein „CV auf Englisch“ entsprechen. Die Konstellation, dass Unternehmen in Deutschland auf Englisch kommunizieren müssen, obwohl alle Mitarbeiter auch Deutsch sprechen, ist mittlerweile sehr verbreitet).

Wichtig und erfolgversprechend ist also stets den Empfänger zu betrachten und die eigene Bewerbungsstrategie, inklusive des späteren Vorstellungsgespräches daran anzupassen. Individuell, persönlich, typentsprechend. So wie Sie eine Liebeserklärung auch an den Typ Ihres Partners anpassen, sollte die Bewerbung auf Englisch, inklusive CV, zum Empfänger passen, ihn intuitiv ansprechen.

Das Bekannte ziehen wir dem Unbekannten vor. Das Gewohnte dem Ungewohnten. So geht es nicht nur Ihnen, sondern jedem Mensch auf der Erde, also auch dem Empfänger Ihrer Bewerbung und Ihres CV auf Englisch.

Personalentscheider auf der ganzen Welt erkennen mit einem Blick lieblos zusammengeklickte Standards auf CV und Bewerbungsschreiben. „Arbeitet die/der auch genau so?“, fragen sich Personalleiter dann zwangsläufig und sortieren vor, bevor sie die Bewerbung überhaupt komplett gelesen haben. Unsuitable – unpassend. Papiermüll.

Erfolgreiche Bewerber/innen möchten mit dem CV nicht nur einer Form genügen, sondern gut, sympathisch und überzeugend rüberkommen. Ein CV und ein Bewerbungsschreiben sind kein lästiges Mittel zum Zweck, sondern repräsentieren den Bewerber. Das sollten Bewerber/innen nie vergessen. Bei jedem EINZELNEN Bewerbungsschreiben.

Menschen in anderen Ländern haben eine andere Mentalität, andere Werte. Sie denken, fühlen und arbeiten anders. Ihr Lebensumfeld ist anders, egal ob das Management zum Beispiel eines US-Unternehmens hier sitzt oder in den USA. Egal, wo Sie sich bewerben oder vorstellen, erreichen Sie damit (noch) Menschen.

Das Wichtigste ist also, sich in den Typ Mensch hinein zu versetzen. Versetzen Sie sich in das Land, in die Menschen, in den Personalleiter. Hineinversetzen bedeutet in diesem Fall, die Welt aus einer völlig anderen Sicht zu sehen. Aus der Personalleiter-Sicht. Klingt erst mal schwierig und aufwändig, ist es aber nicht, erst recht nicht im Internetzeitalter.

YouTube macht es möglich. Sehen Sie sich Videos mit Tipps an, wie Vorstellungsgespräche in anderen Nationen ablaufen. Finden Sie unter youtube.de nichts versuchen sie es bei youtube.it wenn es sich um ein italienisches Unternehmen in Deutschland handelt, bei dem Sie sich bewerben möchten. Hängen Sie einfach das entsprechende Länderkürzel an. Es macht nichts, wenn Sie die Sprache nicht verstehen, Handlungen, Gesten, Mimik ist oft aufschlussreich genug. Recherchieren Sie passende Beiträge dazu.

Verstehen und lernen Sie etwas über die Mentalität des Unternehmens. Dies hilft Ihnen nicht nur Ihre Bewerbungsstrategie, die Form und die Inhalte zu optimieren, sondern sichert Ihrem CV den Vorsprung vor anderen, die sofort aussortiert werden.

Dies gilt auch für deutsche Unternehmen. Jedes hat eine andere Unternehmenskultur und       -philosophie, die von unserer eigenen Denkweise und der des vorherigen Arbeitgebers stark abweichen kann. Auch hier ist eine detaillierte Vorbereitung einer der Schlüssel zum Wunschjob.

Andere Verhaltensmuster zu erkennen, daraus zu lernen und eigenes Verhalten daran anzupassen, ist leichter als viele Bewerber/innen denken. Einfach anfangen und üben. Raus aus der Komfortzone, rein in clevere Vorbereitung, die den entscheidenden Vorsprung bringt.

Zeigen Sie soziale Kompetenz vor Qualifikation. Gerade in anderen Ländern noch wichtiger als hier, wo ein manchmal rüder Umgangston nicht soooo außergewöhnlich ist.

Auch wenn Sie als Bewerber/in eine Strategie haben, wenn Sie wissen, wohin die berufliche Reise geht, was genau Sie wollen, ist es sinnvoll, die Bewerbung von anderen Menschen gegenlesen zu lassen.

Auch wenn die meisten Menschen natürlich nicht wissen, wie Ihr CV auf Englisch günstigstenfalls auszusehen hat, lassen Sie sich nicht verunsichern. Es ist nur der Eindruck eines anderen Menschen, der Sie interessiert, ähnlich eines Brainstormings. Konstruktive Kritik, die Sie sich anhören und danach entsprechend ihrer Plausibilität umsetzen oder auch nicht.

Gleichgültig aber ob Experte, Laie oder Großmutter (die natürlich auch Expertin sein könnte). Jeder Mensch hat eine andere Wahrnehmung und sieht das (Berufs-)Leben, Situationen, Menschen und Nationalitäten anders.

Auch wer also nicht in Ihrer Bewerbungssituation steckt, kann Ihnen Denkanstöße geben, auf die Sie allein, zuhause, im stillen Kämmerlein nicht gekommen wären. Gerade, weil anderen Menschen der Tunnelblick Ihrer Professionalität fehlt, sind deren Ansichten manchmal sehr wertvoll.

Diese Meinungen, auch wenn sie zufällig wirken, können einzelne Ihrer Darstellungen und Sichtweisen positiv verändern oder erweitern.

Für den CV spielt dies insofern eine Rolle, weil Sie sich, je nachdem wo Sie sich bewerben, in eine andere Mentalität hineinversetzen müssen. In die Mentalität eines Süd- oder Osteuropäers, eines Asiaten, eines Amerikaners oder irgendeiner anderen.

Top-Tipp, sehr bekannt aber meist nicht umgesetzt: 

  1. Versetze dich in die Situation der Person, die deinen Brief öffnet und vorsortiert.
  2. Versetze dich in die Situation der Person, die deine Bewerbung lesen wird.
  3. Versetze dich in die Situation des Abteilungsleiters, der später mit dir produktiv arbeiten und auskommen soll.
  4. Versetze dich in alle diese Personen, wenn sie eine andere Nationalität haben und bedenke diese bei jedem Gedanken, jedem Satz, jeder Geste und jeder Handlung.
  5. Sei nicht enttäuscht, nicht demotiviert, wenn du dabei Fehler machst, weil du kein     Weltbürger bist und nicht jede Kleinigkeit kennst, die irgendwo auf der Welt anders    gemacht wird.

 

Der Weg ist das Ziel. Wenn du dich gut vorbereitest und engagierst, wirst du damit mehr erreichen als andere halbherzige Bewerber/innen und wirst den entscheidenden Vorsprung vor anderen Bewerbern haben.

 

 

Der ‚optimale‘ Lebenslauf

Oft werde ich in meinen Gesprächen gefragt, wie denn der optimale Lebenslauf aussieht. Nun ja, gradlinig sollte er sein und zur Stelle passen. Allerdings ist ein Lebenslauf kein Wunschkonzert sondern die Darstellung Ihres bisher gelebten (beruflichen) Lebens.

Wie Sie diesen darstellen, welches Format Sie wählen, bleibt Ihnen überlassen. Pauschal lässt sich die Frage keinesfalls beantworten. Es kommt immer auf den Bewerber und die Stelle an. Oft empfehle ich auch mehr als ein Lebenslaufformat zu entwickeln, um je nach Stelle die Bewerbung anders zu gewichten. Sie dürfen weglassen und auch die Betonung durch Positionierung an oberer Stelle ändern, hinzuerfinden, dürfen Sie nicht. Alles was im Lebenslauf steht haben Sie auch gemacht.

Jüngste Beispiele (Sommer 2016) aus dem Leben einer Politikerin im Bundestag, die Abitur und Studium in den Lebenslauf gedichtet hat, zeigen, was passieren kann, wenn man auffliegt. Von strafrechtlichen Konsequenzen oder Zivilprozess und Schadensersatz mal abgesehen.

In Bewerber A!B!C 4. Mein Lebenslauf habe ich die äußere Form eingehend beschrieben.

Was ist also wichtig?

Keine Lücken, keine zu häufigen Wechsel, eine erkennbare Linie, früh Führungserfahrung auch außerhalb von Schule und Beruf z.B. im Ehrenamt sammeln, wenn Sie in eine Führungsposition wollen. Gute Zeugnisse in Schule, Ausbildung, Studium und Beruf sind ebenfalls wichtig.

Der Lebenslauf ist im Bewerbungsprozess der Türöffner. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn Sie mit dem Lebenslauf und Ihrem Anschreiben den Weg ins Gespräch geschafft haben, zählt ab sofort Ihr persönlicher Auftritt.

Es ist also vorteilhaft zu wissen, wer denn als erstes Ihren Lebenslauf liest und ihn an wen weiterreicht. Was nahezu unmöglich ist, wenn es nicht im Stellenprofil oder auf der Karriere-Website des Unternehmens steht. In der Regel liest/öffnet zunächst ein beruflich unerfahrener Mitarbeiter die Post und leitet diese weiter. Haben Sie Personalleitung oder Geschäftsführung direkt angeschrieben wird es wohl deren Sekretariat lesen.

Haben Sie den richtigen Ansprechpartner ermitteln können und finden Sie diesen in sozialen Netzwerken wie XING oder LinkedIn, möglicherweise können Sie sich ein erstes Bild machen und mehr über sie bzw. ihn erfahren.

Hilft das wirklich? – Nun ja, es schadet erstmal nichts. Eventuell finden Sie Gemeinsamkeiten in Herkunft, Interessen, Berufsweg oder haben sogar gemeinsame Kontakte und Hobbies. Alles interessant für die weitere Kommunikation. Wie er/sie den eigenen Lebensweg dargestellt hat, könnte ein Ansatzpunkt für Ihren Lebenslauf sein. Letztendlich entscheidet, ob das, was Sie mitbringen zu den Anforderungen, die in der Stelle beschrieben wurde, passen.

Eine weitere Möglichkeit besteht auch darin den Ansprechpartner zu kontaktieren und zu fragen, wie der Lebenslaug aussehen soll. Kurz oder ausführlich, chronologisch oder umgekehrt (CV).

Etwas „Fleisch am Knochen“, also nicht nur nackte Jahreszahlen, Stellen und Firmen auflisten sondern ein bisschen über die Tätigkeiten und Verantwortungsbereiche schreiben, ist wichtig. Etwas Persönliches zu Ihnen rundet das ganze ab. Schließlich arbeiten Menschen mit Menschen zusammen und möchten vorher etwas übereinander erfahren.

Von professionellen Lebenslauf-Schreibern bin ich nicht begeistert. Nicht Sie stellen sich dar, sondern lassen sich darstellen. Sie lassen sich ja auch nicht Ihren Tanzpartner vom besten Freund aussuchen.

Noch Fragen zum ‚optimalen‘ Lebenslauf? Bitte melden Sie sich bei mir. Weitere Fragen beantworte ich gerne auf Zuschrift und nehme diese gegebenenfalls auch anonymisiert hier auf. Ihre Fragen können Sie mir per Email an christof.wirtz@abc.jetzt zu senden. Alle Daten werden vertraulich behandelt. Bis nächste Woche, wenn es um die Karriereplanung geht.

Alle bisher veröffentlichen Beiträge finden Sie hier: http://www.bewerber-abc.de/

Interview mit dem Fotografen Markus Bollen

Das Bewerbungsfoto Heute spricht Christof Wirtz mit Markus Bollen, einem Fotografen aus Bergisch Gladbach.

Unter http://www.panoramic-art.de/ finden Sie weitere Angaben zu seinen Werken und seiner Person.

Christof Wirtz: „Markus, wie wichtig ist aus Deiner Sicht ein Bewerbungsfoto und welche Qualität sollte das Foto haben?“

Markus Bollen: „Das Bewerbungsfoto ist ein Muss, das ist klar. Bewerbungen ohne eine gute Portraitaufnahme fallen in den meisten Fällen sofort raus.“ Doch was macht ein Bewerbungsfoto gut? Worauf muss geachtet werden, damit die Bewerbungsmappe nicht nach dem ersten Blick auf das Foto bereits aus den Händen gelegt wird, sondern im Gegenteil, dass das Foto signalisiert, hier ist genau die richtige Person für diese Stelle?“

Christof Wirtz (lächelt): „Stimmt, welche drei wichtigen Begriffe fallen Dir zum Thema Bewerbungsfoto ein?“

Markus Bollen: „Ein gutes Bewerbungsfoto ist 1.) seriös, 2.) thematisch passend und 3.) qualitativ hochwertig.“

Christof Wirtz: „Was verstehst Du unter „Seriosität“ bei einem Foto?“

Markus Bollen: „Seriosität – dass ein Bewerbungsfoto nicht im Morgenmantel aufgenommen werden darf, versteht sich von selbst. Ebenfalls ist ein Bild, auf dem man lauthals lacht, vielleicht ein wunderbarer Anblick, aber trotzdem ungeeignet, um sich angemessen zu präsentieren. Ein fokussierter Blick, gute Kleidung, eine selbstbewusste Körperhaltung. Das sind entscheidende Faktoren, die die Bildwirkung beeinflussen.“

Christof Wirtz: „Sind Ort und Kleidung das, was Du unter „thematisch passend“ verstehst?“

Markus Bollen: „Ja, z. B. die Kleidung In verschiedenen Berufsfeldern kleidet man sich unterschiedlich. Das ist eine Tatsache, die sich genau so auch in den Bewerbungsfotos wieder finden sollte. Für manch eine Bewerbung muss man sich nicht in Anzug, Weste und Krawatte ablichten lassen. Für einen Job in einer Anwaltskanzlei reicht es allerdings nicht, sich in Karohemd und Jeans vor die Kamera zu stellen.“

Christof Wirtz: „Was kannst Du unseren Lesern bei der Entscheidung, welche Kleidung passt, auf den Weg mitgeben?“

Markus Bollen: „Überlegen Sie, auf welche Art von Beruf Sie sich bewerben möchten, welche Position Sie bekleiden wollen, ob dort eher eine legere oder förmliche Umgangsart herrscht. Auch der Fotograf, der zusammen mit Ihnen das Bewerbungsfoto macht, ist ein guter Ansprechpartner, der durch seine Erfahrungen Ratschläge zu Outfit und Auftritt geben kann. Dazu am besten verschiedene Outfits mit zum Fotoshooting bringen, damit Sie im Zweifelsfall optimieren können.“

Christof Wirtz: „Es entscheidet aber nicht die Kleidung über die Qualität des Fotos allein?“

Markus Bollen: „Mit dem Fotografen sind wir auch direkt bei Punkt 3, der Qualität des Fotos. Im digitalen Zeitalter hat fast jeder eine eigene Kamera, viele können auch Bilder in anständiger Auflösung produzieren. Aber Auflösung und Megapixel sind nicht alles. Viel wichtiger sind gute Lichtsetzung, eine professionelle Kamera mit großem Sensor und hochwertigen Objektiven und ein Fotograf, der sein Handwerk versteht. In Bewerbungsfotos fließen viele Details ein, die auf den ersten Blick kaum auffallen, aber doch unterbewusst entscheidend für die Wirkung des Bildes sind: die Wahl der Perspektive und des Lichtes, die Farbe und Beschaffenheit des Hintergrundes, die Körperhaltung, ….

Christof Wirtz: „Ja, die guten wie die schlechten Beispiele für Bewerbungsfotos kenne ich gut. Wie teuer wird denn so ein professionelles Foto?“

Markus Bollen: „Es gehört weit mehr zu einem guten Bewerbungsfoto dazu, als man anfangs denkt. Ein gutes Shooting kann 200.- Euro und mehr kosten. Wenn man eine Visagistin dazu bucht und länger mit dem Fotografen an einem optimalen Ergebnis arbeitet, vielleicht einige Shots im Studio und einige alternativ“ on location“ macht, kann es auch deutlich teurer werden. Letztendlich sollte sich jeder vor Augen halten, was ich mit meiner Bewerbung erreichen will.“

Christof Wirtz: „Geht nicht auch ein Passbild vom Automaten?“

Markus Bollen: „Ein billiges Automatenfoto drückt leider auch dem Betrachter des Fotos genau das aus, und er wird im Zweifelsfall diese Bewerbung nicht in die Auswahl nehmen. Investieren Sie lieber etwas mehr. Mit dem ersten Gehalt hat sich die Investition schon amortisiert.“

Christof Wirtz: „Vielen Dank Markus, für Deinen spannenden Einblick zum Thema Bewerbungsfoto.“

Markus Bollen legt Wert darauf, seine Bilder in der höchsten Qualität zu präsentieren. Daher nutzt er die hohe Auflösung des Großformates. Fragen Sie ihn, ob er für einen besonderen Anlass eine Ausstellung in Ihrem Hause organisieren kann. Auch Ihre Bewerbungsfotos macht Markus Bollen zu Ihrer vollsten Zufriedenheit. http://www.panoramic-art.de/kontakt

 

 

 

Das Bewerbungsfoto

Das Bewerbungsfoto sollte nicht älter als drei Monate sein und von einem Fotografen für den Zweck der Bewerbung erstellt und ggf. bearbeitet worden sein.

Eigentlich sollte das reichen.

Steht so auch in fast allen Bewerbungsratgebern, die ich kenne und in vielen Internetforen. Nirgendwo habe ich etwas anderes gelesen, außer dass es in Zeiten von AGG nicht mehr üblich sei.

Ok, besser kein Foto als ein schlechtes Foto. Mal ganz unter uns, irgendwann stehen Sie vor der Tür zum Vorstellungsgespräch und im nächsten Moment sieht der Bewerbungsempfänger Ihr Gesicht. Kein Modell? Ich auch nicht. Also bitte. Senden Sie Ihr Foto mit dem Lebenslauf auf der ersten Seite mit ein.

Mir ist es oft aufgefallen, wie viele Informationen ich in einem Bewerbungsbild speichere. Denke ich später mal bei einem Gespräch mit Kunden über eine zu besetzende Stelle, fällt mir oft als erstes ein unscharfes Bild eines passenden Kandidaten ein. Aus diesem ergibt sich dann oft ein immer konkreter werdender Bewerber mit Namen, den ich nach dem Gespräch auf die zu besetzende Stelle anspreche.

Gemerkt habe ich mir das Ganze anhand des Bildes, das mit auf der Bewerbung war. Je nach Quelle wird gesagt, dass 80% der Wahrnehmung eines Menschen rein visuell erfolgt.

Das Bild sollte ein Farbbild vor einem neutralen Hintergrund sein, der zu Gesichtsform, Haut- und Augenfarbe passt. Idealerweise sind die Farben der Bekleidung darauf abgestimmt. Hierzu befragt man vorher den Fotografen, nimmt ein paar Beispiele zum Vorgespräch oder zum Fotoshooting mit oder fragt beim Damen- bzw. Herrenausstatter, beim Friseur oder beim gut aufgestellten Kosmetikberater nach.

Mit Hemd – ja; mit Krawatte – schadet in der Regel nicht; mit Anzug und Sakko – kommt auf die Stelle an; im T-Shirt und/oder Jeans – nein.

Auf gar keinen Fall im privaten Zimmern vor der Schrankwand im Urlaub, im Jogginganzug oder in Freizeitklamotten, mit anderen Personen oder Haustieren im Arm. Partyfotos sind ein No-Go! Wer nicht glaubt, dass es so etwas gibt, sollte mal 2-3 Monate in einer Recruiting Position arbeiten.

Kosmetika bitte dezent auftragen, den Bart ordentlich, ebenso die Haare, keine Kopfbedeckung. Letzteres ist ein Thema, was ich hier nicht tiefer besprechen möchte. Ich habe nichts gegen Menschen anderer Religion, bei denen eine Teilbedeckung des Kopfs vorgeschrieben ist. Ich möchte lediglich darauf aufmerksam machen, dass die Religion kein Auswahlkriterium sein soll. Ein Foto mit Kopfbedeckung macht allerdings auf genau diesen Punkt aufmerksam.

Das Foto gehört entweder oben rechts in die Ecke des Lebenslaufs. Falls die Bewerbung noch per Brief in einer Mappe versendet wird, am besten mit einer Büroklammer angeheftet und auf jeden Fall Namen und Geburtsdatum vorher hinten auf das Bild schreiben, falls dieses einmal im Aktenweiterreichungsprozess verloren gehen sollte.

Falls die Bewerbung per E-Mail versandt wird, sollte das Foto eingescannt mit 150 dpi als jpg im separaten Format oder in den Lebenslauf integriert. Bitte keine 20 MB großen TIFF Dateien oder ähnliches versenden.

Weitere Fragen beantworte ich gerne auf Zuschrift und nehme diese gegebenenfalls auch anonymisiert hier auf. Ihre Fragen können Sie mir per Email an christof.wirtz@abcgroup.de zu senden. Alle Daten werden vertraulich behandelt. Bis nächste Woche, wenn es um das Anschreiben geht.

Alle bisher veröffentlichen Beiträge finden Sie hier: www.bewerber-abc.de

Impressum

Mein Lebenslauf

Lebenslauf, CV, Curiculum Vitae, Werdegang? Hier herrscht babylonische Sprachverwirrung. Immer wieder stelle ich fest, dass diese Begriffe falsch oder bunt gemischt verwendet werden.

Der Lebenslauf beginnt wie der Flusslauf bei der Geburt (Quelle) und fließt über Schulabschlüsse, Berufsausbildung, Studium und die einzelnen beruflichen Stationen bis zum heutigen Zeitpunkt (Mündung).

Beispiel für einen Lebenslauf:

1977-1986 Gymnasium
Abschluss: Abitur
1986-1988 Ausbildung zum ABC bei der XY GmbH
Abschluss: Kaufmann
1988-1993 Studium an der Sowieso Fachhochschule, Entenhausen
Abschluss: Diplom-Kaufmann (FH)
Seit 1993 Kaufmännischer Sachbearbeiter bei Müller-Meier-Schmitz AG

Beispiel für einen Curriculum Vitae (CV):

Seit 1993 Kaufmännischer Sachbearbeiter bei Müller-Meier-Schmitz AG
1988-1993 Studium an der Sowieso Fachhochschule, Entenhausen
Abschluss: Diplom-Kaufmann (FH)
1986-1988 Ausbildung zum ABC bei der XY GmbH
Abschluss: Kaufmann
1977-1986 Gymnasium
Abschluss: Abitur
Der CV oder Curriculum Vitae ist eher in Abschnitte gestückelt und wird vor allem bei Berufserfahrenen und Führungskräften als umgekehrte chronologische Aufzählung genutzt.

Es gibt hier kein richtig oder falsch, nur ein ‚passt gut zu meinem Werdegang‘ oder ‚passt nicht so gut‘. Es ist also eine sehr individuelle Frage.

Dem gelernten Schreiner, der nach drei verschiedenen Gesellenunternehmen seinen Meister gemacht hat, um dann später zu studieren und jetzt seit 12 Jahren in der 2. Führungsebene tätig ist, werde ich eher den umgekehrten CV empfehlen.

Jedem Berufseinsteiger empfehle ich, den Lebenslauf chronologisch aufzubauen. Auch nach den ersten drei Stellen lässt sich der Werdegang bei gut zusammen passendem Berufsweg so noch gut darstellen. Je weiter ich mich von der letzten Position meines Werdegangs vom Ursprung entferne, desto eher sollte von dem CV Gebrauch gemacht werden. Oft habe ich schon eine Mischform empfohlen. D.h. neben den persönlichen Informationen und dem Lichtbild auf die erste Seite eine chronologische Zusammenfassung des Werdegangs auflisten. Ab der zweiten Seite dann umgekehrt chronologisch von der aktuellen Position bis zu Studium zurückkehren. Die Ausführlichkeit der Beschreibung ist stichpunktartig und wird zum Ende hin knapper.

Alle Informationen, die für das einstellende Unternehmen wichtig sind und die der Entscheider für die Auswahl der Gesprächskandidaten benötigt, sollten hier übersichtlich zusammengefasst sein. Nicht zu lang – zwei bis drei Seiten sind ok und nicht zu kurz.

Bei den persönlichen Daten scheiden sich heutzutage die Geister. Da aufgrund des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) bestimmte Angaben wie z.B. Alter, Religion, Nationalität nicht mehr als Auswahlkriterium gelten dürfen, werden diese oft weggelassen. Ich empfehle nach wie vor, Geburtsdatum und Ort sowie den Familienstand anzugeben. Eltern, Kinder, Geschwister und Verwandte gehören nicht in den CV. Die religiöse Weltanschauung des Bewerbers spielt auch keine Rolle.

Die letzte Schule mit dem höchsten Schulabschluss reicht, danach Ausbildung, evtl. Wehr- oder Ersatzdienst anschließend das Studium.

Seitenzahlen sind nicht verkehrt, eine permanente Adresszeile oberhalb oder unterhalb des Dokuments ist nicht nötig und wird gelegentlich als störend empfunden.

Bei Führungskräften ist es beliebt, auf der ersten Seite eine Art Management Summary, sprich die wesentlichen Stärken deutlich herauszuheben. Diese sollten in jedem Fall mit Tätigkeiten belegbar sein und sich nicht in Allgemeinplätzen verlaufen. Zum Ende hin runden Kenntnisse (nicht nur IT) und ein bisschen Einblick in private Vorlieben und Hobbys das Ganze ab.

Bei den IT-Skills immer dazu schreiben, ob man Experte oder Anwender ist oder gerade erste Kenntnisse hat. Alle Office-Produkte müssen nicht aufgezählt werden, es sei denn, es wird in der Ausschreibung gezielt danach gefragt.

Weniger ist mehr. So viel wie nötig, so wenig wie möglich, ist mein Leitspruch bei der Erstellung des Lebenslaufs.

Soll ich ungefragt einen englischen Lebenslauf abgeben? Nein. Nur, wenn danach explizit gefragt wird oder die Ausschreibung in Englisch geschrieben wurde. Parat haben ist wichtig, jedoch nur, wenn Sie sich auch bei entsprechenden Stellen bewerben wollen. Schaden kann es in den meisten höherwertigen Positionen nicht.

Zur Gestaltung auch noch der Hinweis: So wenig wie möglich Linien, Rahmen und Schnörkel. Bitte entscheiden Sie sich für eine Schriftart und wechseln nicht ständig bei jedem Abschnittswechsel zwischen Fett (bold), Kursiv und Unterstreichung hin und her.

In den allermeisten Fällen stehen die Jahreszahlen links und die Stellenbezeichnung sowie der beschreibende Text eingerückt auf der rechten Seite. Bitte nicht zu viel Platz links verschwenden und rechts alles zu gequetscht in einer zu engen Spalte schreiben.

Warum hier kein Muster-CV zu finden ist? Uniformität ist nicht das Ziel. Jeder Lebenslauf ist Ihr Dokument und trägt Ihre Handschrift. Ein bisschen Mühe dürfen und sollen Sie sich machen. Bitte auf gar keinsten (!)* Fall einen klar erkennbaren Muster-CV aus dem Internet abgeben. Das kommt meist sehr schlecht an. Auch bei der Erstellung eines PDF darauf achten, dass nicht noch eine fröhliche Werbebotschaft des PDF-generierenden Programm drunter steht und dass auch die Formatierung im PDF so ist, wie Sie sich das mal ausgedacht haben.

*Exkurs: Das Wort „keinste/keinster“ gibt es natürlich nicht. „Keiner “ Ist nicht steigerbar. Es soll hier nur als Mahnung zu verstehen sein. Eine andere Steigerung von „voll“ gibt es schon. Obwohl „voll“ nicht steigerbar ist, gibt es die Formulierung „zur vollsten Zufriedenheit“ im Arbeitszeugnis. Hier – und nur hier – Ausdruck eines „Sehr gut“. Später mehr dazu.

Auf einen separaten Punkt „Das Bewerbungsfoto“ gehe ich in der nächsten Woche ein. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit, für die Fragen, die mich bisher erreicht haben und freue mich auf alle weiteren Fragen rund um das Thema Bewerbung, die Sie mir per Email an christof.wirtz@abcgroup.de zu senden können. Alle Daten werden vertraulich behandelt.

Alle bisher veröffentlichen Beiträge finden Sie hier: www.bewerber-abc.de

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