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Also lieber sein Wissen für sich behalten?

Leserfrage: „Im letzten Jahr bin ich zu einem Gespräch bei in der xy Branche (größerer Mittelstand) gegangen und habe mich auf eine Stelle im Bereich ABC beworben. Gegenüber saßen mir drei junge Damen.

Leider ging das Gespräch voll in die Hose. Eine Dame fragte, wo mein Heimatort liegt. An meinem Wohnort hat der Konzern kürzlich ein Unternehmen aufgekauft. Ich dachte das käme ganz gut an, wenn ich davon berichte. Davon wussten die drei nichts und fragten dann, wie ich darauf komme und woher ich das habe und irgendwie bekam das Gespräch dann einen Bruch, es wurde unfreundlich und war nach nicht mal 20 Minuten vorbei und habe drei Tage später eine Standardabsage per Mail bekommen.

Also lieber sein Wissen für sich behalten?“

Antwort von Christof Wirtz: „Ihre Schilderung macht mich nachdenklich. Ihr Fazit „besser das Wissen für sich behalten“ kann ich nicht teilen. Hätte Ihnen ein erfahrener Gesprächspartner aus der Geschäftsführung gegenüber gesessen, hätten Sie damit wahrscheinlich stark punkten können.

Es ist schon ungewöhnlich, dass Ihnen drei „junge Damen“ gegenüber gesessen haben. Wissen Sie noch, welche Positionen die drei innehaben?

Evtl. haben die drei, so meine Vermutung, Ihre Äußerungen als Ablenkung vom Wesentlichen missverstanden.

Allerdings sind das für mich, ohne Details zum Gesprächsverlauf zu kennen, alles nur Vermutungen.

Haben Sie Ihre Chance genutzt, um nachzuhaken, woran es gelegen hat?

Ich hätte es vermutlich so wie Sie gemacht, um mit ein bisschen Smalltalk, der gut zur Unternehmensentwicklung passt den Einstieg in das Gespräch finden. Dass es nicht geklappt hat, ist der Hinweis, dass Sie und das Unternehmen nicht zueinander passen und keine „Bewertung“ Ihrer Person.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Erfolg.“

 

Sie haben Fragen zu Beruf, Bewerbung und Karriere? Auf www.bewerber-abc.de finden Sie Antworten und können selber Fragen an das Team von Bewerber-A!B!C stellen.

 

 

Eigene Fragen des Bewerbers

Auch Sie müssen Fragen vorbereiten. Wer fragt der führt. Neben dem Punkt zum Ende des Gesprächs „Haben Sie noch Fragen?“ sollten Sie unbedingt im Verlauf des Gesprächs Fragen einbauen.

Ihre Fragen schreiben Sie am besten während der Vorbereitung auf das Gespräch auf ein Blatt Papier. Dieses lesen Sie sich am Tag vor und am Tag des Gesprächs noch einmal durch. Das Blatt sollten Sie während des Gesprächs oder am Ende nicht benutzen, um Ihre Fragen abzulesen.

Es gibt Fragen, die für alle Gespräche gleich oder zumindest ähnlich sind. Es sollten auch gezielte Fragen für das konkrete Gespräch und zum Unternehmen dabei sein.

Dies können Fragen zum fachlichen Schwerpunkt der Stelle, dem zukünftigen Team, dem Arbeitsplatz, den Vorgesetzten, dem Berichtsweg und evtl. auch zu speziellen Arbeitszeiten sowie gegebenenfalls zu tariflichen Besonderheiten sein.

Beispiele:

  • Wie groß ist das Team, in dem ich arbeite?
  • An wen berichte ich?
  • Wie sieht mein Arbeitsplatz aus?
  • Machen wir im Lauf der Bewerbung auch einen kurzen Firmenrundgang?
  • Welche spezielle Software kommt zum Einsatz?
  • Gibt es bei Ihnen regelmäßige Mitarbeitergespräche zur Leistungsbeurteilung?
  • Auf was legt mein Vorgesetzter besonders großen Wert?
  • Ist meine fachliche Führungskraft auch mein disziplinarischer Vorgesetzter?
  • Warum ist die Stelle neu zu besetzen?
  • Gab es mit meinen Vorgängern Schwierigkeiten? Wenn ja, welche?
  • Wie ist die Einarbeitungszeit bei Ihnen geregelt?
  • Welche Weiterbildungsmaßnahmen gibt es und wie werden diese unterstützt?
  • Ich bin ehrenamtlich als XY aktiv, ist das erlaubt, wird das unterstützt?
  • Welche Entscheidungsspielräume habe ich?
  • Haben Sie neben dem Vorgesetzten auch ein Patensystem für neue Mitarbeiter?
  • (Zum Ende des Gesprächs) Habe ich Sie überzeugt? (Insbesondere für Vertriebsmitarbeiter eine sehr wichtige Frage.) Wenn nein, warum nicht, was fehlt Ihnen noch?

Sollte Ihnen irgendetwas unklar sein oder sollten Sie etwas nicht verstanden haben, egal ob fachlich oder organisatorisch, fragen Sie nach! Ihre Fragen zeigen, wie sehr Sie an der Stelle interessiert sind. Wer nicht fragt und sagt „Ich haben keine Fragen.“ wirkt auf den anderen desinteressiert, oberflächlich oder überheblich. Sie können nicht alles wissen.

Es gibt auch Fragen, die jedenfalls für das erste Gespräch nicht zu empfehlen sind. Auf jeden Fall sollten Sie damit nicht beginnen.

  • Wieviel Urlaub habe ich?
  • Wo ist die Kantine?
  • Ab wann kann ich Feierabend machen?

Bei welchen Fragen, die Sie stellen wollen, fühlen Sie sich unsicher? Schreiben Sie mir, ich nehme diese und meine Antwort gerne in die nächsten Beiträge mit auf.

Noch Fragen zum Vorstellungsgespräch oder der damit verbundenen Aufgabe? Bitte melden Sie sich bei mir. Weitere Fragen beantworte ich gerne auf Zuschrift und nehme diese gegebenenfalls auch anonymisiert hier auf. Ihre Fragen können Sie mir per Email an christof.wirtz@abc.jetzt zu senden. Alle Daten werden vertraulich behandelt. Bis nächste Woche, wenn es um unzulässige Fragen geht.

Alle bisher veröffentlichen Beiträge finden Sie hier: www.bewerber-abc.de

 

Unzulässige Fragen

Frage nach dem aktuellen Gehalt ist nicht unzulässig. Spätestens in der Probezeit wird man Ihr letztes Gehalt auf Ihrer Lohnsteuerkarte sehen können.

Unzulässige Fragen im Bewerbungsgespräch können sein:

  • Gehören Sie einer Partei oder Gewerkschaft an?
  • Wie sieht Ihre Familienplanung aus?
  • Sind Sie schwanger?*
  • Welcher Religion oder Konfession gehören Sie an? (steht auch auf der Lohnsteuerkarte)
  • Fragen zu Ihrem Privatleben oder zur sexuellen Neigung.

Weitere Fragen, die jedoch wahrheitsgemäß beantwortet werden müssen, wenn sie für die Stelle relevant sind, sind z.B.:

  • Leben Sie in geordneten Vermögensverhältnissen? (z.B. Bankangestellte, Kassierer)
  • Haben Sie Vorstrafen? (z.B. bei Juristen oder angehenden (Polizei)Beamten)

Welche Absicht kann hinter diesen Fragen stecken? Unwissenheit des Fragenden oder gar Provokation? Sie können es nicht wissen, allenfalls vermuten, was Ihr Gegenüber mit diesen Fragen beabsichtigt. Wichtig an dieser Stelle ist, dass Sie Ruhe bewahren und klar zum Ausdruck bringen, dass Sie diese Fragen nicht beantworten möchten, da Sie sicher sind, dass solche Fragen nicht in ein Bewerbungsgespräch gehören und nicht als Auswahlkriterium dienen dürfen. Es ist eine heikle Situation, die auch zum Abbruch des Bewerbungsprozesses führen kann, ohne dass Sie das merken. Sollte dem so sein, seien Sie gewiss, dass Sie dort auch im Beruf nicht glücklich geworden wären.

*In Berufen, in denen eine Gefahr für das ungeborene Kind besteht (u.a. Radiologie, pharmazeutische oder chemische Wirkstoffe und andere) ist diese Frage nicht nur zulässig, der Gesprächspartner im Bewerbungsgespräch wird auch auf die Wichtigkeit dieser Frage und der wahrheitsgemäßen Beantwortung hinweisen. Oft erfolgt dann auch eine Werks- oder Amtsärztliche Untersuchung (natürlich nur mit Einverständnis der Kandidaten).

Noch Fragen zum Vorstellungsgespräch oder der damit verbundenen Aufgabe? Bitte melden Sie sich bei mir. Weitere Fragen beantworte ich gerne auf Zuschrift und nehme diese gegebenenfalls auch anonymisiert hier auf. Ihre Fragen können Sie mir per Email an christof.wirtz@abc.jetzt zu senden. Alle Daten werden vertraulich behandelt. Bis nächste Woche, wenn es um die weiteren Gespräche und ihre Besonderheiten geht.

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Fragen im Bewerbungsgespräch

Vielen Dank für Ihre zahlreichen Einsendungen zum Thema. Ich habe Ihre Fragen sortiert und möchte aufgrund der Fülle in drei Blöcken darüber schreiben. Im heutigen Teil geht es um die allgemeinen Fragen im Bewerbergespräch, auf die Sie sich einstellen können. Der zweite Teil ‚spezielle Fragen‘ erscheint nächste Woche. Hier möchte ich die etwas ungewöhnlicheren Fragen beleuchten und was sich der Fragesteller davon erhofft. Im dritten Teil geht es um Ihre Fragen, die Sie stellen und sich darauf vorbereiten können

Fragen lassen sich in unterschiedliche Kategorien unterteilen.

  1. Geschlossene Fragen, die mit ja/nein bzw. einer vorgegebenen Auswahl (entweder/oder) beantwortet werden können.
  2. Offene Fragen, die ohne Vorgaben seitens des Fragestellers Ihnen viel Freiraum für die Antwort verschaffen
  3. Fragen, deren Sinnhaftigkeit bzw. deren Bedeutung für die konkrete Bewerbungssituation sich oft nicht erschließen lässt.
  4. Unzulässige Fragen.

Generell gilt, dass alle Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten sind. Auch die Nichtbeantwortung einer Frage aus moralischen bzw. ethischen Grundsätzen ist zulässig. Jedoch werden Sie auf Dauer eine Blockadehaltung im Gespräch sowie eine gewisse Einsilbigkeit, die oft bei unerfahrenen Bewerbern zu erkennen ist, nicht weiterbringen.

Geschlossene Fragen sind daran zu erkennen, dass Sie sie meistens nur mit „ja“ oder „nein“ beantworten können.

„Wohnen Sie noch bei den Eltern?“, „Sind Sie mit Bus, Bahn oder PKW gekommen?“, „Wie viele Geschwister haben Sie?“, um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Frage „Sind Sie schwanger?“ gehört ebenfalls zu dieser Fragekategorie. Jedoch ist das eine der Fragen, die zwar nicht verboten ist, die Sie aber dennoch nicht wahrheitsgemäß beantworten müssen bzw. deren Beantwortung Sie ablehnen dürfen.* Es gehört auch nicht zum guten Stil, eine solche Frage zu stellen. Weitere Fragen zu Geschlecht, Alter, Rasse, Religion, Familienstand, sexueller Ausrichtung sind ebenfalls Fragen, deren Beantwortung nicht als Auswahlkriterium für oder gegen einen Kandidaten dienen dürfen.

Viele offene Fragen bereiten den meisten Bewerbern wenig Kopfzerbrechen. „Wie lange haben Sie für das Abitur gebraucht?“, „Warum sind Ihre Noten in Diplom nur befriedigend?“, „Wieso mussten Sie die XY AG in der Probezeit verlassen?“. Alles Fragen, die sich konkret mit Ihnen und Ihrem Lebenslauf beschäftigen und auf die Sie, ohne sich in die Opferrolle zu begeben, siehe Bewerber A!B!C „Das Vorstellungsgespräch“ antworten sollten. Es kann sein, dass Ihr Gesprächspartner nur eine kurze Information hören möchte. Es kann aber auch sein, dass er Ihnen den Ball zuschieben möchte, um von Ihnen etwas mehr zu erfahren. Zwei Punkte sind daher fein zu differenzieren. Der eine will nur eine kurze Antwort und stöhnt innerlich über den zu langatmigen Kandidaten, der anstatt kurz, knapp bündig zu formulieren, ellenweit ausholt. Der andere will Sie dazu bewegen mit einem gewissen Redefluss mehr von sich preiszugeben, als nur die bislang gehörten einsilbigen und kurzen Antworten.

Und, wie erkenne ich das? Ist das die sogenannte hohe Kunst der Kommunikation? – Nein, noch nicht ganz. Zumeist erkennen Sie es an der Mimik Ihrer Gesprächspartner und vor allem an sich selbst. Achten Sie auf sich, die anderen Beteiligten und die Redeanteile auf beiden Seiten. Werden Sie fordernd angeschaut und haben bislang nur kurz geantwortet, will man wahrscheinlich mehr von Ihnen hören. Reden Sie die ganze Zeit und antworten auf jede auch noch so kurze Frage mehr als 5 Minuten, Ihr Gegenüber schaut gelangweilt drein, gähnt und schaut Hilfe suchend die anderen Gesprächsteilnehmer an, so sollten Sie sich kürzer fassen.

Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie einfach nach. „Entschuldigen Sie die kurze Zwischenfrage, möchten Sie hier mehr von mir hören als nur eine kurze Antwort?“, „Darf ich zur Beantwortung der Frage etwas ausholen?“, „Stört es Sie, wenn ich so ausführlich weiter berichte?“. Generell sollten Sie lernen, abwechslungsreich, spannend und interessiert die Fragen zu beantworten und auch später selber Fragen stellen.

Viele von Ihnen haben mich gefragt, was Sie konkret auf bestimmte Fragen antworten sollen. Sie können sich nicht auf alle Fragen, die es gibt, vorbereiten. Bereiten Sie sich auf sich vor und antworten Sie ansonsten so, wie Sie denken, dass es richtig ist. Wenn Sie antworten, wie es jemand anderes Ihnen vorgibt, sind Sie in der Rolle des Bewerbers nicht Sie selber und erhalten im schlimmsten Fall eine Stelle, die nicht zu Ihnen passt. Später führt das zu Unglücklichsein über Schlechtleistung bis hin zur Kündigung.

*In Berufen, in denen eine Gefahr für das ungeborene Kind besteht (u.a. Radiologie, pharmazeutische oder chemische Wirkstoffe und andere) ist diese Frage nicht nur zulässig, der Gesprächspartner im Bewerbungsgespräch wird auch auf die Wichtigkeit dieser Frage und der wahrheitsgemäßen Beantwortung hinweisen. Oft erfolgt dann auch eine Werks- oder Amtsärztliche Untersuchung (natürlich nur mit Einverständnis der Kandidaten).

Noch Fragen zum Vorstellungsgespräch oder der damit verbundenen Aufgabe? Bitte melden Sie sich bei mir. Weitere Fragen beantworte ich gerne auf Zuschrift und nehme diese gegebenenfalls auch anonymisiert hier auf. Ihre Fragen können Sie mir per Email an christof.wirtz@abc.jetzt zu senden. Alle Daten werden vertraulich behandelt. Bis nächste Woche, wenn es um spezielle Fragen im Gespräch geht. Übernächste Woche geht es dann um unzulässige Fragen.

Alle bisher veröffentlichen Beiträge finden Sie hier: www.bewerber-abc.de