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Vorstellungsgespräch

Ausreden und ausreden lassen (im Bewerbungsgespräch).

Mir fällt im Bewerbungsgespräch immer öfter auf, dass gerade junge Bewerber ihre Gesprächspartner nicht ausreden lassen.

Der zukünftige Vorgesetzte stellt z.B. eine Frage zum Lebenslauf und bevor er noch den zweiten Teil des Satzes ausformulieren kann, fängt der Bewerber an zu antworten.

Ein anderes Beispiel war jüngst ein Kandidat, der bei der Vorstellung des Unternehmens an zu lächeln fing und mitten im Satz anhob, das er diese Information heute Morgen schon auf der Website gelesen habe.

Es zeugt, auch wenn sich das nach ‚alter Schule‘ anhört, von wenig Respekt gegenüber seinem Gesprächspartner, wenn man diesen unterbricht. Aus meiner Erfahrung reagieren zukünftige Vorgesetzte da sehr allergisch. Es kommt zum Abbruch des Gesprächs, die Bewerbung hört an dieser Stelle auf. Auch wenn aus formellen Gründen das Ganze noch 10.15 min weiter läuft. An dieser Stelle ist die Entscheidung gefallen, dass dieser Kandidat nicht weiter kommt.

Bei den Bewerbungsgesprächen, an denen ich teilnehmen konnte, haben wir oft nachher noch zusammen gesessen und eine erste Feedbackrunde zum Kandidaten gemacht. Die ‚nicht-ausreden-Lasser‘ wurden durch die Bank abgelehnt. Interessanterweise, konnten einige der Gesprächsteilnehmer nicht genau sagen, was sie denn am Bewerber gestört hat. Auf meinen Hinweis, ob das an den Unterbrechungen gelegen haben könnte, war das nahezu immer der Fall.

Das ‚nicht-ausreden-lassen‘ erzeugt also schon unbewusst ein Störgefühl beim Gesprächspartner. Meine Frage, die ich auch im Nachhinein an die Kandidaten gerichtet habe, war ob das beim Bewerber auch der Fall ist und warum er den anderen unterbrochen hat.

In der Hälfte der Fälle haben die Bewerber es nicht gemerkt. Vielleicht gehört es ja im privaten oder in Schule/Beruf/Hochschule schon zum normalen Umgangston, dass sich die Gesprächspartner nicht ausreden lassen.

Die andere Hälfte bestätigte, dass sie ungeduldig waren oder die Antwort so schnell wie möglich geben wollten.

Meine Empfehlung, entspannen Sie sich. Zählen Sie intern bis drei, nachdem der Gesprächspartner seine Frage oder seinen Satz beendet hat. Dieses wird oft durch ein körpersprachliches Signal und eine Betonung der letzten Silbe eingeleitet. „Der Ball liegt dann in Ihrem Feld.“

Ausreden

Auf der anderen Seite fallen mir die Ausreden ein, die so manch Bewerber auf Fragen von sich gibt. Schnell geht man dann in die Opferrolle. Die anderen (Kollegen, Vorgesetzten) oder die Konkurrenz oder die Umstande sind schuld an der eigenen Misere.

Hüten Sie sich davor! – „Die Entschuldigungsabteilung hat (im Vorstellungsgespräch) geschlossen!

In dem Moment, in dem Sie einen anderen für Ihre Situation verantwortbar machen, passieren im Gespräch auf der gegenüberliegenden Seite zwei Dinge. Man sucht nach den Fehlern, die Sie verschwiegen haben, welche zur Situation beigetragen haben könnten. Man sucht nach dem Verhaltensmuster bei Ihnen, dass Sie keine Fehler zugeben können.

Beides führt in die falsche Richtung, denn wer suchet der findet.

Gestehen Sie Fehler von sich aus ein. Geben Sie zu, dass Sie die Situation unterschätzt oder falsch verstanden haben.

Dann wird Ihr gegenüber zum einen die Fehler auch bei den anderen suchen, die an der Situation beteiligt waren und Sie ‚in Schutz‘ nehmen. Zum anderen gesteht er Ihnen die Fehler-Erkenntnis zu.

 Fazit, lassen Sie Ihr Gegenüber ausreden und vermeiden Sie Ausreden.

Weitere Infos zum Bewerbungsgespräch gibt es hier.

Das A!B!C Team freut sich auf Ihre Fragen und Anregungen zu den Themen Beruf, Karriere und Bewerbung. Auf www.bewerber-abc.de veröffentlichen wir jede Woche kostenfrei Tipps und Tricks zu diesen Themenbereichen.

 

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Christof Wirtz Niederlassungsleiter

„Soll ich meinen Gehaltswunsch angeben, wenn danach gefragt wird?“ – Leserfrage

Leserfrage

Eine Bewerberin, Mitte 30 fragt: „Wird man nicht automatisch aussortiert wenn in der Stellenbeschreibung nach dem Gehaltswunsch explizit nachgefragt wird und man dies im Schreiben nicht erwähnt?“

Antwort

Es verursacht bei mir immer ein Schmunzeln, wenn in der Stelle angefragte Angaben nicht mit geliefert werden. „Sie/Er kann evtl. nicht lesen.“, schießt es mir durch den Kopf.

Aussortiert werden Sie je nachdem, wie viele Bewerbungen vorliegen eventuell schon an dieser Stelle.

Im eigenen Interesse rate ich dazu, Ihren Gehaltswunsch anzugeben, wenn danach gefragt wird.

So wie ich, der auf www.bewerber-abc.de Tipps und Tricks zum Thema Bewerbung und Karriere gibt und Fragen zu den Themen beantwortet.

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ABC

Spezielle Fragen im Vorstellungsgespräch

Es gibt in einigen Bewerbungsgesprächen Spezielle Fragen, die nicht beantwortbar sind.

„Wie hoch ist das Brutto-Sozial-Produkt von Kanada?“, „Wie viele Smarties passen in einen Smart?“, „Wie viele Bäume müssen gefällt werden, um alle Wohnungen in Köln-Porz mit Parkett auszulegen?“ oder ähnliche.

Hier ist Schlagfertigkeit gefragt und evtl. auch eine gewisse Abschätzungsleistung. Keiner erwartet von Ihnen eine genaue Zahl, man möchte Sie denken sehen. Zu der Parkettfrage z.B. wäre eine mögliche Antwort diese:

„Also Köln hat ca. 1 Million Einwohner, Porz als einer von über 70 Stadteilen ca. 50.000 Einwohner, die überschlägig in 20.000 Wohnungen mit durchschnittlich 80 m² (Annahme!) wohnen. In jedem Haus werden ca. ¼ der Wohnfläche mit Parkett ausgelegt (Annahme Wohnzimmer = 20 m²). Das entspricht ca. 400.000 m² Parkett. Aus einem Baum sind bei 6 mm Parkettdicke und ca. 60 cm Durchmesser ca. 100 Scheiben zu schneiden von denen ich in Summe nur 50 voll nutzen kann. Ich gehe von einer nutzbaren Stammlänge von ungefähr 8 m aus. Ein Baum bringt dann ca. 8 m * 0,5 m * 50 = 200 m² verlegbares Parkett, die Aufbauschichten darunter werden aus dem übrigen kleingeraspelten Restmaterial erstellt. D.h. wir brauchen ca. 2.000 Bäume.“

Eine andere Frage wäre, „Warum Parkett, wenn Laminat doch günstiger ist?“ Die Antwort „Weiß ich nicht.“ ist die ehrlichste, führt hier aber nicht weiter.

Weiterhin gibt es Fragen, die auf Ihre Leistungsbereitschaft oder Ihre Teamfähigkeit abzielen.

„Was verstehen Sie unter Leistungsbereitschaft?“

Eine Antwort dazu finden Sie in diesem Blog, Sie wurde mir von einem Kandidaten gestellt und beantwortet „Was heißt Leistungsbereitschaft?“

„Wo sehen Sie Ihre Stärken und Schwächen?“

Eine Standardfrage, die nahezu in jedem Gespräch kommt. Viele meiner Kandidaten sind erstaunt und fangen an, sich erst in der Situation mit der Frage auseinander zu setzen. Die Stärken sind ja in der Regel noch schnell zu beantworten, bei den Schwächen tun sich viele sehr schwer. Dabei ist es gerade diese Frage nach Unsicherheiten, Unwohlsein, die zeigt, wie sehr Sie sich schon mit sich selber auseinandergesetzt haben.

Stärken = Eigenbild, Schwächen = Fremdbild. Das ist die Metafrage hinter der eigentlichen Frage. Ihr Gesprächspartner möchte wissen, wie gut Sie sich kennen und wie Sie auf andere wirken und ob Ihnen das bewusst ist. Ein weiterer Punkt ist die Frage, ob Sie überhaupt Fehler und Schwächen eingestehen können.

Supermann oder Superfrau gibt es nur im Comic – und auch die haben Schwächen (Kryptonit). Machen Sie sich klar, wer Sie sind, bevor Sie ins Gespräch gehen! Zu oft habe ich nicht nur von Absolventen und Berufsanfängern, denen ich das noch verzeihen kann, sondern auch zum Teil von langjährigen Führungskräften die Antwort „Ich habe keine Schwächen.“ erlebt. Das ist die falsche Antwort.

Im Übrigen sind viele Schwächen auch Stärken und umgekehrt. Zum Beispiel „Ich bin manchmal etwas hartnäckig.“ zeigt, dass Sie sich vertieft einem Thema widmen können. Auf der anderen Seite ist „Ich bin Generalist“ oft auch ein Zeichen von nicht genügend fachlichem Tiefgang.

Stärken und Schwächen erkennen

Wie finde ich nun mehr über mich und meine Schwächen, mein Eigen- und Fremdbild heraus? Am besten machen Sie sich erstmal eine kleine Tabelle in der Sie auflisten, welche Stärken und Schwächen Sie von sich kennen bzw. was Ihnen Familie, Freunde und auch Lehrer, Professoren, Ausbilder sowie Kollegen und Vorgesetzte zum Punkt Stärken und Schwächen schon einmal gesagt haben. Sie können die gleiche Personengruppe natürlich auch gezielt befragen. Sollten Sie das tun, achten Sie bitte auf die folgenden Punkte:

Ihnen nahestehende Personen kennen Sie gut und mögen Sie. Es fällt ihnen nicht immer leicht, etwas Negatives über Sie zu sagen. Machen sie das dennoch, sollten Sie auf keinen Fall in irgendeine Verteidigungshaltung gehen und antworten „Das sehe ich aber anders!“ oder so ähnlich. Bedanken Sie sich für die Antworten, schreiben Sie diese auf und denken nach 24 Stunden wieder drüber nach. Keiner will Ihnen etwas Böses, Sie haben gefragt!

Aus der Summe der Antworten können Sie für sich bestimmt 2-3 Schwächen und 4-5 Stärken ableiten.

Eine genauere Analyse ist an dieser Stelle nicht möglich, da es hierfür eine persönliche Gesprächssituation am besten mit Blickkontakt geben sollte.

Welche Fragen sind unzulässig? Die Antwort finden Sie hier.

Noch Fragen zum Vorstellungsgespräch oder der damit verbundenen Aufgabe? Bitte melden Sie sich bei mir. Weitere Fragen beantworte ich gerne auf Zuschrift und nehme diese gegebenenfalls auch anonymisiert hier auf. Ihre Fragen können Sie mir per Email an christof.wirtz@abc.jetzt zu senden. Alle Daten werden vertraulich behandelt. Bis nächste Woche, wenn es um Ihre Fragen geht.

Alle bisher veröffentlichen Beiträge finden Sie hier: www.bewerber-abc.de

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Christof Wirtz Niederlassungsleiter

Richtig gekleidet zum Bewerbungsgespräch.

Schon der deutsche Volksmund sagt: „ An den Federn erkennt man den Vogel.“

Die Kleidung ist schon im normalen Berufsumfeld ein Thema, dass viele Seiten, ja ganze Bücher füllen kann. Es geht hier im speziellen Fall nur um die Bekleidung am Tag der persönlichen Gespräche beim zukünftigen Arbeitgeber.

„Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und vor allem: Was ziehe ich an?“ soll ein unbekannter Verfasser mal gesagt haben. Zitate liebe ich vor allem deswegen, weil sie so schöne Platzhalter für eine Fülle von Informationen sind. Jeder Bewerberin und jedem Bewerber möchte ich diese Fragen als Denkansatz mitgeben, um sie sich selber am Tag der Bewerbung morgens zu stellen und zu entscheiden. Komme ich nicht von zu Hause, nehme ich an dem Tag, an dem ich meinen Kleiderschrank verlasse, die Kleidung mit, die ich an dem Tag des Bewerbungsgesprächs anziehen möchte. Die Gewichtung liegt auf dem mittleren Teil „Wohin gehe ich?“, da ersterer bekannt ist.

Jede Branche und jedes Unternehmen ist anders, manchmal ist es auch in größeren Unternehmen zwischen verschiedenen Bereichen oder Abteilungen bisweilen sehr unterschiedlich. Der Chemikant, der sich im Nadelstreifenanzug beim Chemieunternehmen bewirbt, wird genau so kritisch gemustert, wie der Vorstandsassistent in Jeans eine Tür weiter.

Machen Sie sich klar, wohin die Reise gehen soll. Wie sieht der typische Stelleninhaber beim Unternehmen aus? Gelegentlich wird es auch schon mal auf der Website Tipps zur Bekleidung geben.

Was wird von Ihnen erwartet? – In erster Linie, dass Sie fachlich und menschlich zur Position passen. Nun ist es aber so, dass sich der erste Eindruck, den Menschen sich voneinander bilden, zu großen Teilen von der Optik geprägt wird. Nahezu 50% unserer Wahrnehmung wird durch die Kleidung geprägt, die anderen 50 % sind unsere Mimik und unsere Körpersprache, die im Idealfall mit unserer Kleidung und unserer Stimme harmonieren.

Ein nicht zu vernachlässigender Punkt ist die Situation bzw. der Ort, an dem das Gespräch stattfindet unter Beachtung der Jahreszeit bzw. der aktuellen Umgebungstemperatur. Ich hatte mal den Fall, dass im Winter ein Erstgespräch mit dem Kandidaten und sieben Gesprächsteilnehmern in einem kleinen Zimmer bei hoher Raumtemperatur stattgefunden hat.

Alleine durch die Anzahl der Gesprächspartner in dem engen Raum, kommen Sie schon ins Schwitzen.“ warnte ich meinen Kandidaten vorab.

Unwohlsein gilt es zu vermeiden! – Ihre Kleidung muss sitzen, nicht zu eng und darf Sie nicht behindern. Auch sollten Sie sich darin wohlfühlen. Manchmal ist es notwendig, dass Sie sich mit Ihrer neuen Kleidung, die Sie extra für das Gespräch gekauft haben, erst mal ein bis zwei Proberunden drehen, um sich daran zu gewöhnen.

Sie fragen sich bestimmt, „Was ziehe ich denn nun an?“. Für Frauen möchte ich nichts Konkretes empfehlen. Zum einen achten Frauen fast immer wesentlich besser auf ihr Äußeres, zum anderen bin ich da nicht der Experte, was auch der Branche, in der ich tätig bin (Engineering und IT), geschuldet ist.

In über 2.000 persönlichen Gesprächen habe ich in weniger als einem Drittel mit Frauen an einem Tisch gesessen. Ich kann mich nur an einen Fall erinnern, bei dem eine Frau zu stark geschminkt war, zu viel Parfüm aufgelegt hatte und die Kleidung zwar alles in allem ok war, das „Gesamtpaket“ jedoch das Unternehmen, bei dem das Gespräch stattfand, abgeschreckt hat.

Generell sage ich, dass Rock, Kleid, Hosenanzug in Kombination mit Bluse oder Shirt und Blazer in gedeckter Farbe mit dezentem Makeup und einem Hauch des Lieblingsparfüms in Ordnung sind. Bitte keine grell geschminkten Augen, Lippen etc. und auch kein Überfluss an Kajal oder Lidschatten. Beim Parfüm gilt der Spruch „Weniger ist mehr!“

Dresscode für Männer

Bei den Männern fällt es mir etwas leichter. Selten habe ich einen Mann im Vorstellungsgespräch getroffen, der zu gut angezogen war. Häufig passte die farbliche Abstimmung nicht zusammen. Die Ausrede „Ich komme gerade von der Arbeit.“ ist nicht wirklich hilfreich. Spätestens beim Bewerbungsgespräch im Unternehmen sollte ein Stoffhose, ein Hemd und idealerweise ein Sakko, passend zur Hose (es muss kein Anzug sein) gewählt werden. Die Krawatte hat noch nicht ganz ausgedient, ist aber in den meisten Fällen nicht mehr vorgeschrieben. Was nicht heißen soll, dass eine Krawatte weggelassen werden muss. Wer sie gerne trägt und richtig zu binden weiß, kommt damit fast immer passend gekleidet.

Natürlich, dürfen Sie sich vorab informieren und nachfragen, was erwartet wird.

Bei Führungskräften und im Vertrieb gehört es zum guten Ton, im Anzug mit Krawatte und dazu passenden, gut geputzten, nicht ausgetretenen Schuhen zu erscheinen. Mit einem schwarzen Lederschuh macht Mann kaum etwas falsch.

Jeans, kurze Hosen, T-Shirt, grelle Farben und gewagte Farbkombinationen gehören nicht zu einem Vorstellungsgespräch. Die Bekleidung soll Ihren Typ betonen oder unterstreichen und nicht überdecken.

Körperfpflege

Genauso wichtig ist ein gute Körperpflege, saubere, geschnittene Fingernägel, gekämmte Haare (ohne zu viel Gel und bitte keine zu gewagten Frisuren). Und den Körperschmuck, wie auch anderen Schmuck, lässt Mann besser weg. (Ehering ist selbstverständlich ok). Auch wenn es gesellschaftlich anerkannt ist, dass Mann einen Ohrring trägt und auch Piercings im Alltag überall zu sehen sind, im Bewerbungsgespräch lenken Sie von Ihnen ab. Bei Frauen ist es tendenziell etwas anderes, dennoch auch hier der Hinweis „Weniger ist mehr!“.

Fazit: Die Kleidung sollte Nebensache sein, nicht zu auffällig und in jedem Fall Ihr gepflegtes Äußeres unterstreichen. Keinesfalls sollte Ihre Kleidung Kernpunkt des Gesprächs werden. Es geht um Ihre Person als neuer Mitarbeiter, nicht um Ihre Hülle.

Noch Fragen zum Vorstellungsgespräch oder der damit verbundenen Aufgabe? Bitte melden Sie sich bei mir. Weitere Fragen beantworte ich gerne auf Zuschrift und nehme diese gegebenenfalls auch anonymisiert hier auf. Ihre Fragen können Sie mir per Email an christof.wirtz@abc.jetzt zu senden. Alle Daten werden vertraulich behandelt. Bis nächste Woche, wenn es um Fragen im Gespräch geht.

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Christof Wirtz Niederlassungsleiter

Das Vorstellungsgespräch

Bewusst habe ich das Vorstellungsgespräch in zwei separate Themen auf gesplittet. Durch den Umfang und den Stellenwert, den das Gespräch sowie die Vorbereitung auf das Gespräch hat, werden beide Punkte intensiv beleuchtet.

Begrüßung

Nach Begrüßung und der Klärung des Ablaufs werden sich die Parteien kurz einander vorstellen. Auf der Unternehmensseite werden Sie Namen und Funktion der Anwesenden hören, von Ihnen erwartet man in der Regel auch noch 2-3 Sätze zu Person und Lebensstand.

Manchmal eröffnet der (ungeübte) Gesprächspartner auf der Unternehmensseite mit „Wissen Sie, warum Sie hier sind?“ oder ähnlich. Manchmal ist diese Unbeholfenheit auch gespielt, um einen Eindruck Ihrer Spontanität zu testen.

Gegenseitige Vorstellung

Am häufigsten wird zunächst das Unternehmen und die Stelle vorgestellt, dann sind Sie dran, manchmal auch nur das Unternehmen, dann Sie und dann die Stelle. Ab und zu ist auch der Kandidat zuerst gefragt, sich und seinen Werdegang vorzustellen.

Mein Tipp an dieser Stelle: stellen Sie sich chronologisch vor, vom Schulabgang bis heute. Rückwärts orientierte Lebenslaufvorstellungen haken immer ein wenig, wie ich oft erleben durfte, selbst bei gestandenen Führungspersonen. Der Mensch denkt im Zeitstrahl nach vorne und blickt selten zurück. Lassen Sie Ihren Gesprächspartner an Ihrer Entwicklung und an Ihren Entscheidungen auf dem Weg zum Heute teilhaben. Und dabei ist eines von höchster Wichtigkeit: Sie selbst sind der Bestimmer Ihres Lebenswegs. Alles, was um Sie herum passiert, können Sie nicht beeinflussen. Nur Ihre Reaktion darauf ist wichtig und ausschlaggebend. Ja, es gibt Insolvenzen, Scheidungen, Unfälle, Krankheiten, schlechte Vorgesetzte, schlechte Lehrer – werden Sie bloß nicht zum Opfer in Ihrer Darstellung. Keiner wünscht sich die schlechten Zeiten, fast jeder ist schon mal durch die eine oder andere gegangen.

Stellen Sie dar, wie Sie aus dem Tal raus und wieder rauf gekommen sind. Was haben Sie gemacht, um Ihren Weg fortzusetzen, wie haben Sie auf widrige Umstände reagiert? Ein Kandidat von mir hatte in der 9. Klasse Hauptschule ein gerade noch ausreichendes Zeugnis. Im nächsten Jahr wurde er mit Qualifikation für die Mittlere Reife versetzt, holte das Abitur mit guten Noten nach und promovierte „Summa cum laude“ in Chemie in 8 Jahren. – Was war geschehen? Er war Linkshänder und musste bis zur 9. Klasse mit rechts schreiben, was ihn gehindert hat, sein geistiges Potential zu entfalten. In der 9. Klasse wechselte er die Hand, und es ging bergauf.

Unangenehme Punkte

Es gibt weitere unangenehme Punkte in Ihrem Werdegang, die zu beschreiben sind? Aus der ‚Berichter Position‘, die Sie heute im Vorstellungsgespräch einnehmen sieht manches anders aus, als es damals geschehen ist.

Merken Sie, dass Ihr Unternehmen in der Krise nicht weiterkommt, droht die Insolvenz? – Strecken Sie so schnell wie möglich erste Fühler aus. Niemand dankt es Ihnen, wenn Sie als (Vor-)Letzter die Lichter ausschalten.

Kommt es durch einen Vorgesetztenwechsel zu Spannungen? Verlieren Sie die Unterstützung durch Ihren Chef? Verlässt Ihr Promoter im Unternehmen selbiges? – Alles Anzeichen, die auf einen baldigen Wechsel hindeuten und Sie zum Handeln aufrufen sollten.

Ist erstmal der Frust bei Ihnen da, kommt schnell die Minderleistung bzw. Sie verlieren die Freude an Ihrer Arbeit. Darauf werden viele schlechter bewertet, (zurück)-versetzt, und es kommt zur inneren Kündigung oder zur Unzufriedenheit Ihrer Vorgesetzten mit der Folge, dass Ihnen gekündigt wird. – Alles nicht gut für Ihre anschließenden Bewerbungen.

Auch die ‚Mitnahmen‘ von ‚goldenen Handschlägen‘ sowie das Aussitzen der Übergangszeit in einer Transfergesellschaft sind nicht unbedingt das, was sich Ihr neuer Arbeitgeber von Ihnen verspricht.

Wie auch immer, im Vorstellungsgespräch ist alles bereits schon ‚vorher passiert‘ und Sie müssen* es darstellen, so gut wie möglich und immer in voller Ehrlichkeit.

*Kurzer Exkurs muss/möchte

Ersetzen Sie vor allem im Gespräch „muss“ gegen „möchte“. Ein „Ich muss…“ deutet daraufhin, dass Sie fremd bestimmt handeln und nur reagieren, während eine „Ich möchte…“ ausdrückt, dass das Getane Ihre freie Willensentscheidung ist. Besonders im Vorstellungsgespräch fallen viele Kandidaten auf das „Ich musste…“ zurück, was letztendlich ausdrückt, dass Sie nicht Ihren eigenen Weg gehen, sondern sich von anderen treiben lassen. Nicht nur für angehende Führungskräfte keine sonderlich gute Aussage.

Jetzt wissen Sie auch, warum ich das Thema zweigeteilt habe. Die Auseinandersetzung mit Ihrem Werdegang und die Darstellung im Gespräch erfordern eine viel höhere Denkleistung als der formelle Ablauf davor und danach.

Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Werdegang! Lernen Sie sich authentisch darzustellen, hierzu habe ich im Weiteren eine Aufgabe für Sie, die wenn ich ehrlich bin*, Sie an Ihre Grenzen führen wird.

*Kurzer Exkurs: „wenn ich mal ehrlich bin“

„um mal ehrlich zu sein“: Bitte vermeiden Sie möglichst alle Floskeln und auf jeden Fall auch diese. Sie rückt Sie bei genauer Betrachtung in die Position des permanenten Lügners, der nur ausnahmsweise jetzt mal die Wahrheit sagt. – Bitte streichen Sie diese Sätze aus Ihrem Repertoire.

Aufgabe:

Nehmen Sie sich Ihren Lebenslauf, und Ihr Anschreiben sowie Ihre Zeugnisse. Markieren Sie sich Ihre eigenen Aussagen über Sie, Erfolge wie Misserfolge sowie die Aussagen, die Sie in Schul- und Arbeitszeugnissen über sich selber finden. Nummerieren Sie diese Markierungen, am allerbesten schreiben Sie diese (handschriftlich) mit Nummern auf ein Blatt Papier.

Jetzt setzen Sie sich auf die andere Seite des Tischs und setzen sich (gedanklich) den Bewerbungsempfängerhut auf. Jemand mit Ihrem Namen hat sich auf eine Position in Ihrem Unternehmen beworben und Sie sind der Entscheider.

Notieren Sie sich bitte Punkt für Punkt ein bis zwei unangenehme Fragen zu der Ihnen vorliegenden Liste. Legen Sie die Liste für 24-48 Stunden beiseite.

Noch ist alles gut. Nehmen Sie die Liste nach zwei Tagen wieder zur Hand und setzen sich auf die Bewerberseite Ihres Tischs. Stellen Sie sich vor, dass Ihnen jemand die vor Ihnen liegenden Fragen stellt und beantworten Sie diese, ohne in die Opferrolle zukommen, wahrheitsgemäß aus Ihrer Perspektive. Irgendwann zwischen Frage acht und zwölf werden Sie zähneknirschend an mich denken, sich fragen, wofür Sie das Ganze machen oder sich vorstellen, wie ich genüsslich lächelnd Ihnen bei der Quälerei zuschaue. – Sie quälen sich nicht? Alles ist easy? – Dann haben Sie im ersten Schritt die falschen Fragen gestellt.

Legen Sie wiederum Ihre Antworten für zwei Tage beiseite und gehen Sie danach erneut auf die Fragesteller-Seite, um Ihre Antworten aus Sicht des Bewerbungsempfängers kritisch zu hinterfragen. Ein letztes Mal beantworten Sie nach weiteren zwei Tagen die Nachfragen aus Runde zwei.

Geschafft.

Sie sind jetzt in der Lage auf alle Punkte Ihrer Bewerbung Ihrem Gegenüber ein gut passende Antwort zu liefern und haben sogar für die Gesprächssituation ‚vor Ort‘ noch einen kleinen Zeitpuffer rausgearbeitet. Bitte nicht nach Ihrer Liste kramen und die Antworten vorlesen, die müssen vorbereitet sein und sitzen. Auch nicht zu spontan antworten, sonst sieht es eingeübt aus.

Alle Kandidaten, die mir Feedback zu dieser Aufgabe gegeben haben, schilderten mir zum einen die Frustphasen der Ausarbeitung, das Infrage-Stellen des Zwecks, wie auch die Überlegenheit in der Bewerbungsgesprächssituation. Ich bin gespannt auf Ihr Feedback. Denken Sie immer dran, keiner muss etwas machen, was ich oder andere Ihnen empfehlen. Sie können es machen, wenn Sie wollen oder Sie lassen es bleiben. Ihre Entscheidung.

Weitere Informationen zu Fragen im Vorstellungsgespräch finden Sie hier.

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