Wortsplitter

Immer wieder werden Worte oder ganze Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und falsch verwendet. Andere Worte sind selten im Gebrauch und der ein oder andere versteht sie nicht oder falsch. Hier finden Sie Beispiele, die ich in meinem Alltag fast täglich erlebe.

„mittelständisch/mittelständig“

Als geborener und bekennender Rheinländer tu ich mich mit dem „-ig“ und dem „-isch“ schwer. Jetzt möchte ich mal so richtig (mit „ik‘ am Ende gesprochen) gut Deutsch schreiben und nutze das Wort „mittelständig“ („ik“ am Ende). Word sagt mir auch, dass ich alles richtig geschrieben habe. Ganz großer Fehler. Unternehmen sind mittelständisch. Mittelständig ist ein Begriff aus der Biologie und bezieht sich auf den Blütenstand. Selbst bei erfahrenen Führungskräften, nicht nur im Rheinland, ein oft gesehener Fehler. (aus Bewerber A!B!C 8. Die Auswahl von Branchen, Unternehmen und Stellen)


„resilient/Resilienz“

Laut Wikipedia: beschreibt Resilienz die Toleranz eines Systems gegenüber Störungen. Machen Sie sich vertraut mit der Ablehnung – mit dem „nein“ zu Ihrer Bewerbung. Mit Ihrer Einstellung „das ‚nein‘ habe ich schon, nur durch meine Bewerbung kann ein ‚ja‘ daraus werden.“ Helfen Sie sich im Umgang mit einer eventuellen Absage. Ich habe es selber erlebt, wie zu Beginn meiner Berufsphase durchaus bessere Mitstudenten auf 200 Bewerbungen nur 8 Gespräche zugesagt wurden, aus denen eines zum Vertragsangebot wurde. (aus Bewerber A!B!C 9. Versenden, nachfragen, dokumentieren, verbessern)


„Sinn machen“

Etwas kann sinnvoll sein, Sinn ergeben oder eben einen Sinn haben. Sinn machen kann niemand, keine Dienstleistung und keine Maschine. Leider wird das „Sinn machen“ sehr häufig verwendet, auch schon mal in der schriftlichen Bewerbung, vor allem aber im Gespräch. Achten Sie auf sich und achten Sie auf die Worte, die Ihren Mund verlassen. Sprechen Sie deutlich und überlegt. Üben Sie dies, indem Sie sich selber zuhören und dabei erwischen, wie Sie bestimmte Wörter einfach so nutzen, ohne sich sicher zu sein, was Sie damit anrichten. (aus Bewerber A!B!C 2. Die schriftliche Bewerbung)


„aber/und“

Ersetzen Sie, nicht nur im Schriftlichen, alle „aber“ durch „und“. Ein „aber“ deutet auf einen Konflikt hin und liefert Ihnen einen Grund für eine Ausrede. „Ich bin Teamplayer aber auch eigenständig.“ im Gegensatz zu „Ich bin Teamplayer und eigenständig.“ Zudem bewegen Sie beim gesprochenen „und“ Ihr Gehirn dazu, Wege zu finden, wie Sie beide Aussagen miteinander verknüpfen können. „Ich würde gerne meine Kollegen bezüglich der Projektstände sprechen, aber ich habe Mittagspause.“ im Vergleich zu „Ich würde gerne meine Kollegen sprechen und habe jetzt Mittagspause.“ (aus Bewerber A!B!C 6. Mein Anschreiben)


Entschuldigung – bitte!

„Sätze wie „Ich musste ja noch meine XY Arbeit erstellen“ oder „Das ZZ-Projekt musste noch beendet werden“, sollen als Entschuldigung* dienen, warum der Bewerbungsprozess erst so spät startet.“ (aus Bewerber A!B!C 1. Warum Bewerbungstipps)

„Entschuldigung!“ Wenn jemand einen Fehler macht, so bittet er um Entschuldigung oder möchte entschuldigt werden. Es bedarf also einer dritten Person, die einem die Schuld (hier „Aufschieberitis“) erlässt. Nur wer soll das sein? Ich kann mich nur höchstens selber für meinen Fehler entlasten. Weder Vermittler/Berater – noch erst recht andere Bewerbungsempfänger – können das. Es liegt an mir selber, was ich tue, wie ich agiere und reagiere und was ich lasse